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Feldbahnen waren universell und kostengünstig verwendbare Transportsysteme mit einem ausserordentlich vielfältigem Einsatzgebiet. So gab es von nur wenige Meter langen Gleisstrecken mit Wagen im Handverschub z.B. in Werkhallen bis zu mit Lokomotiven betriebene, über hundert Kilometer lange eher ausgewachsenen Bahnstrecken gleichenden Anlagen alles. Das Markenzeichen einer Feldbahn war aber stets die einfache Verlegung der Geleise bei erstaunlich hoher Transportleistung und geringen Anlagekosten, dazu sind Feldbahnen in iher Art extrem robust, einfach umzusetzen und sehr langlebige Konstruktionen.
Trotzdem fing ihr Stern mit dem Aufkommen von immer leistungsfähigeren nicht spurgeführten Transportsystemen nach dem WK2 allgemein zu sinken. Auch haftete den kleinen Bahnen immer mehr zu Unrecht ein Ruf von etwas Altmodischem an.
Mit einer Ausnahme (Ziegelei Schumacher) und der ein oder anderen Sägerei sind ausser im Tunnelbau heute in der Schweiz keine industriellen Einsätze von Feldbahnen mehr bekannt.
So war das Erstaunen gross als ich einen Hinweis erhielt, dass es offenbar in Zofingen noch eine Firma gibt bei der noch dutzende Feldbahnwagen im Einsatz stehen. Noch viel grösser wurde die Überraschung als sich herausstellte dass es sich bei dieser Firma ausgerechnet um die im Hightech Bereich tätige "Müller Martini" handelt. Die Firma Müller Martini ist weltweit für ihre vollautomatisierten Maschinen für die Druckweiterverarbeitung in der graphischen Industrie bekannt.
Wie im kundenspezifischen Anlagebau üblich besteht da auch ein Bedarf die Anlageteile massgeschneidert zu spedieren und verpacken zu können. Dazu besitzt die Firma eine eigene Schreinerei mit einem Lager für Holzprofile und Bretter. Für den Transport dieser Halbzeuge zur Schreinerei hat sich nun bis zum heutigen Tage eine interessante Feldbahnanlage mit Wagen im Handverschub als einfaches und klaglos funktionierendes Transportsystem halten können. Die Feldbahnanlage besteht aus einer zentralen Schiebebühnenbahn mit davon abgehenden, ausschliesslich geraden Gleisen in 60cm Spurweite. So werden die gedeckten Holzlagerplätze mit den Abstellgleisen für gerade überzählige Wagen und der eigentlichen Schreinerei verbunden. Durch die hohe Anzahl abgehender Geleise (ca. 15) können die Wagen auch ohne eine Weiche problemlos rangiert und umgesetzt werden. Alles in allem ein sehr schönes Ensemble einer Feldbahnanlage wie sie es früher in Industriebetrieben häufig gab. 
Mit meinem Interesse an industriellem Kulturgut wurde ich da bei der im Familienbesitz befindlichen Firma stets freundlich empfangen. So wurden mir auch zwei Kipplorenuntergestelle und Radsätze unentgeltlich überlassen wofür ich mich natürlich auch hier nochmals herzlich bedanke.
Aus dem einen Untergestell entstand die heutige BEB Kipplore S22, das andere Chassis fand bei Kollegen von der Schinznacher Baumschulbahn für den Bau einer Kleindraisine (Schienenkuli) Verwendung. Da die Kleindraisine gelegentlich auch auf der BEB zum Einsatz kommt, gibt es immer mal wieder auch einen Zug mit den beiden ehemaligen Wagen der Firma Müller Martini.

 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 7.3.2011


Die Feldbahnanlage mit der zentralen Schiebebühnenbahn im Überblick. Blick vom Holzlager auf die Abstellanlage (links hinten) und den Zugang zur Schreinerei (rechts hinten). Auf der Schiebebühne ein ehemaliges Untergestell einer Kipplore. Feldbahnkomponenten für den Eigenbau wurden früher aber immer auch einzeln verkauft. Eine einst bekannte Firma für Feldbahnmaterial war auch Oehler in Aarau.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 23.5.2010


Gedecktes Holzlager (Westteil). Wohl historisch gewachsen sind nur 3 Gleleise zwischen dem West- und Ostteil des Lagergebäudes via Schiebebühne direkt durchgehend. Die anderen Geleise besitzen einen mehr oder weniger grossen Versatz zueinander.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 7.3.2011


Gedecktes Holzlager (Westteil). Das mittlere Gleis kann via Schiebebühne direkt auch durchgehend befahren werden.  

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 7.3.2011


Gedecktes Holzlager (Westteil). Obwohl auf der Seite beidseitig 3 Geleise angeordnet weisen die Geleise bei der Schiebebühne einen leichten Versatz zueinander auf. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 5.10.2014


Die Lagerhalle mit den Feldbahnwagen wird auch Jahre nach dem ersten Besuch noch stets im bisherigen Stil benutzt.  

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 23.5.2010


Gedecktes Holzlager (Ostteil). Die Geleise links führen hinten aus der Lagerhalle heraus zur Umschlagstelle mit einem Portalkran. Auf der Schiebebühne ein für Schreinereien/Sägereien auch typischer, meist selbst gebauter Flachwagen mit Holzrahmen. Dazu konnten früher ab Katalog Feldbahnradsätze auch einzeln gekauft werden. Die meisten Wagen bei Müller Martini besitzen jedoch Untergestelle aus Stahl und sind so auch für Abstellung auf den Gleisen im Freien geeignet. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 13.5.2012


Gedecktes Holzlager (Ostteil). 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 23.5.2010


Ein für die Bedürfnisse der Schreinerei gebauter Feldbahnwagen für Langbretter. Obwohl nur auf geraden Geleisen im Einsatz wurde der Achsstand von der Länge der Schiebebühne bestimmt. Auch für diesen Wagen-Eigenbau wurden wohl nur Radsätze und Lager ab Fabrik oder von alten Kipploren verwendet.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 23.5.2010


Die Schiebebühne mit ein paar darin enthaltenen, interessanten konstruktiven Lösungsideen. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 23.5.2010


Die mittig in der Feldbahnanlage gebaute Schiebebühne muss von beiden Seiten mit Feldbahnwagen befahren werden können. Dazu sind beidseitig variable Anschläge notwendig um ein unbeabsichtiges überfahren der Schiebebühne mit den Wagen zu verhindern. Auf dem Bild ist der hintere Anschlag aktiviert und der Vordere zurückgezogen. Das Verstellen der Anschläge erfolgt mit je 2 Winkeln sodass zum Umstellen stets mit dem Fuss einer der beiden Winkel zurückgestossen werden kann. Ein Bücken zum zurückziehen eines Anschlages ist so nicht nötig. Einfach und clever überlegt wie meist bei Feldbahneinrichtungen.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 23.5.2010


Die Brems- und Arretiereinrichtung der Schiebebühne von der Radseite her gesehen. Auch bei Abnutzung der Bremsbacke stellt sich das Bremsgestänge mit der leicht exzentrischen Andruckscheibe selbständig nach und sorgt für gleichbleibende Anpresskraft. Der Splint des Bremshebels wurde allerdings etwas hemdsärmelig durch einen Holznagel ersetzt - aber letztlich auch so noch immer voll funktionstüchtig. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 30.5.2010


Die gebremste Schiebebühne. Vorne der Arretierhebel und hinten der Bremshebel. Im Normalfall ist so die Schiebebühne stets in gebremster Stellung. Die Arretierkulisse hat in der Stellung keine Funktion. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 30.5.2010


Die gelöste Schiebebühne. Der Bremshebel wird vom Arretierhebel mittels der da angeschweissten Kulisse in der ungebremsten Stellung gehalten. Beim Betätigen des Bremshebels wird jedoch die Arretierung via Kurvenbahn in der Kulisse automatisch gelöst. Dazu sorgt auch das am Arretierhebel angeschweisste Gegengewicht.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 7.3.2011


Zwischen dem Lagergebäude und vis à vis der Schreinerei gibt es drei im Freien befindliche Abstellgeleise für gerade nicht benötigte Untergestelle. Während die rechteckigen Chassis eigens für die Bedürfnisse der Schreinerei hergestellt wurden, gab es damals auch noch einige Norm-Untergestelle ehemaliger Kipploren. Der Wagen auf der Schiebebühne besass dabei einen aussergewöhnlichen und massiven Rahmen. Das kleine Gruppenbild entstand anlässich der Abholung zweier geschenkter Untergestelle für Wagenprojekte.  

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 10.8.2012


Die Abstellanlage mit den speziell zum Lagern und Transport von Brettern angefretigten Wagen unterschiedlicher Länge. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 7.3.2011


Gruppenbild mit wenig benutzten, teilweise von Kipploren stammenden kurzen Wagen vor dem Schreinereigebäude.  

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 1.3.2011


Blick in die Schreinerei mit direktem Feldbahnanschluss. Im Hintergrund das Büro der Schreinerei. Das Geleise führt durch die Bürotüren und endet da im Büro selbst unmittlerbar neben einem Schreibpult. Wohl ein Traumarbeitsplatz für jeden Feldbahnfreund.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 23.5.2010


Abgestellt mit gebrochenem Lager ein aussergewöhnlicher Fahrzeugrahmen mit schwierig herzustellenden, nach innen gebogenen U-Profilen.  

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 7.3.2011


Nach einem freundlichen Schriftwechsel mit der Firma Müller Martini durfte ich zwei für zukünftige Wagenprojekte geeignete Wagen und ein paar Radsätze gleich als Geschenk abholen. Neben dem Standarduntergestell auf der Schiebebühne war dies auch der Wagen im Vordergrund mit dem speziellen Rahmen. Was für eine nette Geste dieser Firma - ein grosses Dankeschön!

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 15.5.2012


Aus dem "Müller Martini" Wagen mit dem besonderen Rahmen entstand ein Jahr später die BEB Kipplore S22. Bedingt durch die besondere Rahmenbauform befindet sich das arretierbare Bremsrad mittig unter der Mulde. Die angebauten Kippkulissen stammen von einem schrottreifen Lorengestell, die Mulde wurde nach BEB Plänen neu gebaut. Die noch neu glänzende feuerverzinkte Kipplore befindet sich gerade auf der Auflegedrehscheibe (feldbahntypisch auch als "Frosch" bekannt). 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 31.7.2014


Der zweite übernommene "Müller Martini" Wagen besass einen klassischen Standardrahmen auch mit besonderen, für stetige 4-Punkt Auflage konstruierte Radlager. Ideal für ein Triebfahrzeug. Dieses Untergestell wurde von Kollegen der Schinznacher Baumschulbahn (SchBB) zu einer Kleindraisine (feldbahntypisch auch Schienenkuli genannt) umgebaut. Bei einem Besuch des bei der SchBB eingestellten Fahrzeuges auf der BEB bildeten die beiden ehemaligen "Müller Martini" Wagen zusammen mit der gebremsten Kipplore S21 einen kleinen zeittypischen Feldbahn-Dienstzug. Oft war früher nur die letzte Kipplore eines Zuges gebremst und mit einer Platform für den Bremser ausgerüstet.

 

 


 

 

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