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Update 15.7.2020: 

Es gibt ja nicht viele Quellen zu Feldbahnen und deren Einsatz. So ist es eine besondere Freude wenn aus der Leserschaft weitere Mosaiksteine zu einer Geschichte hinzugefügt werden können. Gleich mehrere solcher Mosaiksteine zu den artverwandten DFL90 ex DS90 Loks konnte Ulrich Völz zur Verfügung stellen, sodass nun die Geschichte dieser Loks in der Schweiz neu geschrieben werden konnte - herzlichen Dank.


 

Die 1968 von DIEMA gebaute, 60cm spurige DS90/1 Lokomotive mit der Fabrik-Nr. 2987 von den Zürcher Ziegeleien (ZZ), heute bei der Schinznacher Baumschulbahn (SchBB), ist das einzige Exemplar dieses Types in Europa aus einer nur aus 4 Stück bestehenden Kleinserie. Die weiteren 3 Lokomotiven wurden nach Indonesien für die dortigen Zuckerrohrbahnen geliefert. 
Ähnliche Lokomotiven der selben Leistungsklasse DS90 , aber mit tiefergelegtem Mittelführerstand wurden in einer Serie von 18 Stück an die Bundeswehr für den Einsatz in Munitionsdepots der Marine geliefert. Nach Aufgabe des Schienenverkehrs in den Depots der Bundeswehr gelangten nachweislich 8 Lokomotiven mit Spurweite 600mm zurück an den Hersteller DIEMA wo sie im Original oder umgebaut mit Endführerstand an zivile Firmen weiterverkauft wurden. 3 dieser Lokomotiven gelangten so auch an im Tunnelbau tätige Baufirmen in die Schweiz.

Dies waren: 

DS90 2360, 11.81 an ArGe Bietschtal, Rothpletz-Lienhard-Zschokke, als DFL 90/0.2, 750 mm

DS90 2367, 12.89 an Andrea Pitsch AG (Konkurs 2018), Bauunternehmen Thusis, 900 mm

DS90 2715, 09.83 an ArGe Bietschtal, Rothpletz-Lienhard-Zschokke, als DFL 90/0.2, 750 mm

Die von DIEMA tiefgreifend und auf Endführerstand umgebauten und umgespurten Loks bekamen die Typenbezeichnung DFL90/0.2. Die an Zschokke verkauften und später an Rothpletz Lienhard weitergegebenen Lokomotiven 2360 und 2715 waren von diesem Typ DFL90/0.2 mit einem ebenfalls für Tunnelbau typischen, niedrigen Endführerstand. Die hier gezeigte von Zschokke beim Bau des neuen Hondrichtunnels der BLS (Bern-Lötschberg-Simplon) eingesetzte und 1983 abgelichtete Lokomotive war anhand der schon deutlichen Gebrauchsspuren sehr wahrscheinlich die schon seit 1981 bei Zschokke befindliche Lok 2360. Die baugleiche 2715 kam ja erst in dem Jahre neu umgebaut von DIEMA zu Zschokke.

Bei Tunnelprojekten waren Arbeitsgemeinschaften (Arge) üblich. Dabei arbeitete Zschokke oft auch mit der ebenfalls im Tunnelbau tätigen Aarauer Baufirma "Rothpletz Lienhard" (RL) zusammen. Beide Firmen besassen dazu eigenes Bau- und Stollenbahnmaterial. Sicher vor 1990 gelangten die Zschokke Loks in den Besitz von "Rothpletz Lienhard". Wenigstens der weitere Weg der Lok 2360 konnte auch fotographisch festgehalten werden. So wurde diese Lok vor einem weiteren Einsatz bei der Arbeitsgemeinschaft "Mont Terri Tunnel" auf dem Werkplatz bei Aarau revidiert und auch mit den Initialen des neuen Eigentümers RL beschriftet. 
Von diesem Einsatz gibt es hier einen eigenen Artikel, der Link dazu befindet sich am Schluss dieses Berichtes.
1996 wurde(n) die Lokomotive(n) von "Rothpletz Lienhard" an den "Westdeutscher Bahnbedarf WBB" in Hattingen (D) verkauft.  

Eine dieser ehemaligen Bundeswehr Loks wurde übrigens sehr ähnlich zu den Zschokke Loks aber mit einem hohen Endführerstand für eine Werkbahn in Deutschland umgebaut. (Idunahall AG, Schermbeck). Es zeigt sich da nicht nur wie robust und solide diese Lokomotiven gebaut wurden damit sich 20Jahre nach Inbetriebsetzung solche Umbauten noch lohnten sondern auch wie damals auf Kundenbedürfnisse selbstverständlich eingegangen wurde.

Als weiterere Mosaiksteine in der Geschichte dieser mit der ZZ Lokomotive in der Bözenegg verwandten Lokomotiven stellten nun freundlicherweise Sébastien Jarne und Ulrich Völz seltene Bilder von den Loks und dem Baueinsatz 1983 am BLS Hondrichtunnel bei Spiez zur Publikation hier zur Verfügung. Ganz herzlichen Dank!  


Der Hondrich-Bahntunnel liegt an der BLS (Bern-Lötschberg-Simplon) Strecke von Spiez Richtung Lötschberg nach Brig. Der ca. 1600m lange Tunnel beginnt unmittelbar neben den BLS Werkstätten in Spiez und führt unter dem Hondrichhügel ins Kandertal. 
Bis 1982 war der Tunnel das letzte eingleisige Nadelöhr auf dieser wichtigen, alpenquerenden Bahnverbindung und musste dringend, im laufenden Betrieb, beseitigt werden. Als Besonderheit liegt etwa die nördliche Hälfte in stabilem Fels während sich die südliche Hälfte zum Kandertal in Lockergestein befindet. Dies führte zum Entscheid, dass nur die Hälfte im Lockergestein komplett neu als Doppelspurtunnel gebaut wurde, während im Nordteil eine neue einspurige Tunnelröhre als Ergänzung zum bestehenden Tunnel genügte. Etwa in der Mitte, noch im Felsgestein, wurden die Tunnelröhren miteinander verbunden. 
Diese Arbeiten wurden wie so oft an ein Baukonsortium vergeben. Dabei arbeiteten die auch im Tiefbau tätigen Baufirmen "Zschokke" und "Rothpletz Lienhard" (RL) zusammen. Während die da eingesetzten Kippwagen "Rothpletz Lienhard" gehörten, ist die da eingesetzte DFL90/0.2 Lokomotive 2360 noch im Eigentum von Zschokke. Während die Spurweite von 750mm kompatibel war, musste zum Ankuppeln der RL Wagen an die Zschokke Lok noch beachtliche Übergangskupplungen angefertigt werden. 
Wie im Bericht zum Mont Terri Tunnel gezeigt, war spätestens 1990 dann die einstige Zschokke Lok sicher in den Besitz von "Rothpletz Lienhard" übergegangen.  Interessanterweise kamen aber auch danach noch Übergangskupplungen zu den Wagen zum Einsatz. 

 

 

 Originalbild anzeigen BEB

 

 


 

 

Etwas Geschichte der DS90 und DFL90/0.2 Lokomotiven von DIEMA in der Schweiz

 

Originalbild anzeigen Foto: Victor Asper, Sammlung Jarne / 1968


Die 1968 fabrikneu von DIEMA via Importfirma Asper an die Zürcher Ziegeleien gelieferte DS90/1 Nr. 2987 auf Probefahrt in der Opalinustongrube Eriwis. Heute bei der Schinznacher Baumschulbahn beheimatet. Die in einer Serie von nur 4 Stück gebauten Lokomotiven besassen zwei unterschiedlich lange Vorbauten. Im längeren Vorbau war der 90PS starke, luftgekühlte 6Zyl. Motor von Deutz (A6L514) und das hydrodynamische Getriebe. Die 3 weiteren Lokomotiven gelangten nach Indonesien. (Zuckerrohrbahnen)

 

 

Originalbild anzeigen Foto: Ulrich Völz / 23.7.1982


Die in einer Serie von 18 Stück an die Bundeswehr gelieferten DS90, hier Nr. 2367 beim Marine Munitionsdepot Laboe mit runtergesetztem Mittelführerstand und beidseitig symmetrischen Vorbauten. Der Getriebekasten befand sich so direkt im Führerstand selbst. Diese Lok 2367 wurde 1989 (möglicherweise im abgebildeten Originalzustand als DS90) an das Bündner Bauunternehmen Andrea Pitsch AG /Thusis verkauft. Nach Stilllegung des Schienenverkehrs in den Bundeswehr Depots dienten einige dieser Loks als Basis für Umbauten beim Hersteller DIEMA zu DFL90/0.2. Zwei dieser so umgebauten Loks wurden danach an die Baufirma Zschokke/Genf für die Arbeitsgemeinschaft Bietschtal verkauft.

 

 

Originalbild anzeigen Foto: Heinz Bircher / 28.5.1991


Die von DIEMA anfangs der 80er Jahre zur DFL90/0.2 mit Endführerstand umgebaute, ehemalige Bundeswehr Lokomotive DS90 2360 Bj.1960. Auf dem Bild die 1983 einst beim Bau des Hondrichtunnels von Zschokke eingesetzte Lok 2360 welche ab ca.1990 nun im Eigentum von "Rothpletz Lienhard" beim Bau des Mont Terri Autobahntunnels bei St.Ursanne zum Einsatz kam.

 

 



 
 Originalbild anzeigen Foto: Victor Asper, Sammlung Jarne / 198x

 



 
Originalbild anzeigen Foto: Ulrich Völz / 25.10.1999


Nur als Beispiel die nach dem selben Muster von DIEMA umgebaute ehemalige Bundeswehr-Lokomotive 2361 für eine Werkbahn in Deutschland (Idunahall AG, Schermbeck) jedoch mit hohem Führerstand. Es zeigt auch die Anpassungsfähigkeit des Herstellers an Kundenwünsche. Auch dieser tiefgreifende Umbau geschah analog zu den Loks für Zschokke an bereits 20jährigen Maschinen, heute kaum noch vorstellbar. Das Bild von 1999 der Lok 2361 wurde in Schermbeck aufgenommen.

 

 


 

 

Baustelle Hondrichtunnel,  Lok DFL90/0.2 2360 am Nordportal Seite Spiez

 

 Originalbild anzeigen Foto: Victor Asper, Sammlung Jarne / 1983


Der nördliche Tunneleingang des Hondrichtunnels liegt unmittelbar neben den BLS Werkstätten in Spiez. Im Hintergrund einer der einst für die BLS Gruppe (BLS/BN/SEZ/GBS) typischer, "Blauer Pfeil". Während die Kippwagen eindeutig im RL Besitz sind, dürfte die Lokomotive damals noch Zschokke Eigentum gewesen sein. Die vom Rothpletz Lienhard/Zschokke Konsortium betriebene Baubahn besass eine Spurweite von 75cm. Im Vordergrund die Aushub-Umladestelle für den neuen einspurigen Tunnelabschnitt in Spiez. 

 

 

 Originalbild anzeigen Foto: Victor Asper, Sammlung Jarne / 1983


Aushub-Bauzug Nordabschnitt Seite Spiez. Die Kippwagen wurden von der dafür bekannten Firma Mühlhäuser gebaut und haben noch eine grosse Ähnlichkeit zu den an die Zürcher Ziegeleien in der Bözenegg gelieferten Wagen. Möglicherweise brauchten die Wagen bei 75cm Spurweite und dem im Gegensatz zu Ton nicht klebenden, gut rutschenden Ladegut beim Entladen keine zusätzlichen Kippsicherungen an den Schienen.

 

 

 Originalbild anzeigen Foto: Victor Asper, Sammlung Jarne / 1983


Die nach dem Umbau von DIEMA als DFL90/0.2 bezeichnete Diesellokomotive 2360. Die Lok wurde ursprünglich für die Bundeswehr zum Munitionstransport im Depot Aurich-Tannenhausen in 60cm Spurweite geliefert. Die Bundeswehr war ursprünglich mit DS60 Prototypen mit einseitig angeordneten Führerstand nicht glücklich. Die Sicht auf die unmittelbar vor der Lok eingereihten Wagen mit explosivem Ladegut war ungenügend. So wurden dann später, speziell für die Bundeswehr entworfene und eingangs gezeigte Lokomotiven mit Mittelführerstand geliefert. Jedoch geriet bei diesen Bundeswehr Loks der Getriebekasten mitten in den Führerstand. Die 1960 gebaute Lokomotive 2360 wurde 1981 zur DFL90/0.2 umgebaut mit dem gedungenen Führerstand für den Tunnelbau via der Importfirma Asper in Küsnacht (ZH) an Zschokke für die Arbeitsgemeinschaft (Arge) Bietschtal verkauft. 

 

 



 
 Originalbild anzeigen Foto: Victor Asper, Sammlung Jarne / 1983


Südportal des neuen, einspurigen Hondrichtunnels in Spiez. In Vorleistung wurde das Portal beim Bau der oberhalb sichtbaren Autostrasse bereits 1972 im Tagebau erstellt.  

 

 



 
 Originalbild anzeigen Foto: Victor Asper, Sammlung Jarne / 1983


Die gleiche Stelle. Im Hintergrund auch der während des Tunnelbaues stets in Betrieb stehende Eingang zum "alten Hondrichtunnel". Der Baustellen-Mitarbeiter besitzt eine damals noch durchaus zeittypische Frisur. Bemerkenswert die imposante Übergangskupplung zu den mit modernen Klauenkupplungen ausgerüsteten Wagen. Stockwinden an klassischen Feldbahnlokomotiven dienten oft zum einfachen Wiedereingleisen von entgleisten Fahrzeugen, hier möglicherweise aber eher als Montagehilfe für die schwere Überganskupplung.

 

 


 

 

Die selbe Lokomotive im Baueinsatz 1990/91:

Mont Terri Tunnel - Baubahn mit Diema DS90 ex. Bundeswehr

 

 


 

zur Fotogalerie:  Hondrichtunnel

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