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Die Wurzeln der noch heute im Familienbesitz befindlichen Ziegelei Schumacher in Körbligen reichen zurück bis 1860. Nachdem die unmittelbar in der Nähe der Ziegelei gelegenen Lehmvorkommen erschöpft waren, wurde ein Abbaugebiet in der ca. 1km entfernten Schweissmatt bei Pfaffwil aufgeschlossen und bereits 1909 mit einer 50cm spurigen Feldbahn verbunden. 
Nach einer kurzen Periode mit Pferdebetrieb wurde schon bald auf Lokomotivbetrieb umgestellt. Bemerkenswert war dabei auch der Einsatz einer Akkulokomotive in den 40er Jahren, handelte es sich doch um die erste von Stadler gebaute Lokomotive überhaupt. Dass beiden Unternehmen auf ihren Gebieten noch eine glänzende Zukunft bevorstehen sollte, war damals aber noch keinesfalls in Stein gemeisselt.
Auch als Aussenstehender spürt man aber förmlich, dass bei der Ziegelei Schumacher Innovation und Tradition keine Gegensätze oder leeren Worthülsen sind. Wohl gerade deshalb konnte die Firma Krisen der Branche der so viele auch weit grössere Ziegeleien zum Opfer fielen gut überleben. Während auf die topmoderne Ziegelproduktion welche dem interessierten Besucher auch gerne gezeigt wird, hier nicht weiter eingegangen werden soll, ist die Tatsache des Transportes des Lehms mit der Feldbahn bis zum heutigen Tage aber bemerkenswert. So ist die Feldbahn der Ziegelei Schumacher, eine von einst hunderten ähnlicher Bahnen, heute die Letzte und einzige kommerziell betriebene Feldbahn der Schweiz.
Während anderswo spätestens ab den 60er Jahren dem Zeitgeist geschuldet der Transport meist auf flexiblere, aber kurzlebige Lastwagen umgestellt wurde, hat man bei der Ziegelei Schumacher die Vorteile der Langlebigkeit einer Bahn und dem vergleichsweisen geringen Treibstoffverbrauch eines Zuges realisiert. Dazu kommt, dass in Lastrichtung von der Grube zur Ziegelei die Strecke zur Hälfte in einem leichten Gefälle liegt und somit die Schwerkraft den Antrieb weitgehend gratis erledigt.
Das Familienunternehmen stand so auch einer alten bewährten Technik eben wohlwollend und unvoreingenommen gegenüber. Aber natürlich spürt man sehr wohl auch die Freude an der Tradition, so hat doch die Firma 2015 sogar ein eigenes firmeninternes Feldbahnmuseum eröffnet und mit einem längeren Zufahrtsgleis mit dem bestehenden Stammgleis verbunden. Sehr zur Freude von Besuchern aus nah und fern werden da seit jeher gelegentlich auch Publikumsfahrten angeboten.
Ganz traditionsverbunden wurden ausser Betrieb genommene Lokomotiven seit Generationen nicht verschrottet sondern einfach mal nur beiseite gestellt. So besitzt das Museum heute eine wahre Zeitgeschichte maschinenbaulichem Schaffens.
Ganz nach dem Motto, dass sich Tradition und Innovation nicht ausschliessen, wurde aber auch die Feldbahn stets modernisiert, sei es im Bereich der automatisierten Entladung oder bei der Bahntechnik selbst.
Der markanteste Eingriff geschah dabei 1989 als die Bahn von der historisch bedingten aber seltener "schmalen Feldbahnspur" von 50cm auf die breitere und einst gebräuchlichere 60cm Spurweite umgespurt wurde.
Zusammen mit dieser Grunderneuerung fand auch die Umstellung vom klassischen Betrieb mit Kipploren auf modernen Betrieb mit aus dem Tunnelbau bekannten, automatisch entladbaren Kastenkippwagen statt. Im Bewusstsein der Langlebigkeit von Feldbahnmaterial hat man eine noch moderne Zugsgarnitur auf dem Gebrauchtmarkt geschickt günstig erwerben können. Auch die erste 60cm spurige Lokomotive, eine leistungsstarke DFL60/11 von Diema mit einem 47PS starken, luftgekühlten 4-Zylinder Motor von Deutz kam erstmal gebraucht von einer Ziegelei in Zonnebeke (Belgien).
Ein gutes Jahr später wurde diese Lok dann aber durch die fabrikneu und noch heute in Betrieb stehende Lok "Titanus" eine 63PS starke CHL 30G von Schöma abgelöst. Damit wurde für fast 2 Jahrzehnte ein Zug mit 6 der geräumigen Kastenkippwagen aus Belgien gezogen.
Ein weiterer Modernisierungsschub war erst wieder vor wenigen Jahren mit der Beschaffung von Kastenkippwagen der Firma Mühlhäuser angezeigt. Damit verbunden war auch ein auf Tunnelbaustellen seit längerem üblicher Anstrich der Fahrzeuge in modernem Weiss. Die Wagen tragen dazu das rote Logo der Ziegelei Schumacher.
Nicht unerwähnt bleibt auch die Tatsache, dass die BEB-Lokomotive ihre von der Firma Tafag organisierten Probefahrten auf der Ziegeleifeldbahn absolvieren konnte und es da zu einem historischen Zusammentreffen zweier Lokomotiven der ehemaligen "Flemmingsche Ziegelwerke" gekommen ist. (siehe auch Teil3).

Die Bilder stammen hauptsächlich aus den 80er Jahren, dem zu Ende gehenden Zeitalter der klassischen 50cm Spur Feldbahn und der beginnenden Zeit als moderne 60cm Spur Bahn. Dabei konnten die freundlicherweise zur Verfügung gestellten Bilder von Heinz Bircher vorgängig mit ein paar Bildern aus meinen fotographischen Anfängen ergänzt werden.
Um die Ladezeit der Bildberichte im Rahmen zu halten sind die Bilder auf 3 Teile aufgeteilt. Am Ende des Teils 1 und 2 ist jeweils direkt der weiterführende Link zum nächsten Teil angegeben. 

 

 

Originalbild anzeigen Grafik BEB


Übersichtsplan mit ungefähren Streckenlängenangaben bei markanten Wegpunkten.

 

 


 

 

Vorbemerkung zur Bilderserie vom Juli 1981.

Die Bilder konnt ich mit meiner ersten eigenen sehr einfachen "klick-o-mat" Kamera aufnehmen. Der Fotoapparat hiess tatsächlich so. Die damaligen Papierabzüge wurden von den Negativen nur quadratisch, unter Verlust eines grossen Teils der Bildfläche, ausgeliefert. Alle Negative sind nun im tatsächlichen Negativformat neu gescannt. Die eingeschränkte Bildqualität hier im Teil1 möge man aber bitte entschuldigen, der Fotoapparat besass nur gerade zwei Einstellungen für Sonne oder Wolken.

 

 

Im Teil 1 gezeigte Lokomotive:

Diesellok Typ CHL20G Schöma,  Christoph Schöttler Maschinenfabrik GmbH, Diepholz (D), Bj.1981 Fabrik.Nr. 4451, 30.5PS, 3.5t, stufenlos regelbares hydrostatisches Getriebe, 2-Zyl. Motor Deutz F2L 812
Die Lokomotive wurde von der Ziegelei Schumacher fabrikneu gekauft. Es war die Letzte für den 50cm Spur Betrieb beschaffte Lokomotive. Die Lokomotive wurde mit einem abnehmbaren Führerhaus für den Schlechtwettereinsatz geliefert. (siehe dazu auch Teil2). Die Lok wurde 1989 noch auf 60cm umgespurt und ist heute wie fast alle Loks der Ziegelei Schumacher museal erhalten. 

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Einfahrt Ziegelei in Körbligen.  Blick zum Chörbligerwald und im Hintergrund die Lehmgrube Pfaffwil, dem Endpunkt der ca. 1,3km langen Feldbahn.

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Ziegelei Schumacher, Körbligen. Zusammen mit der Lokomotive wurden offensichtlich in dem Jahre auch noch ein paar Kipploren fabrikneu beschafft. 

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Zwischen Ziegelei und Chörbligerwald. Richtung Grube wurde der aus 12 Kipploren bestehende Zug gestossen. Bis zum Bahnübergang Schweissmatt bei Pfaffwil verläuft die Strecke eben und steigt danach stetig leicht an bis zur Grube Pfaffwil. Der Feldbahnzug wurde ausschliesslich mit der Lok gebremst.

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Ein kurzer Halt vom freundlichen Lokführer beim vorherigen Bild und auch eine Mitfahrt zur Grube war möglich. Damals war der Streckenabschnitt durch den Chörbligerwald noch ausschliesslich der Feldbahn vorbehalten. Heute verläuft das Geleise da neben einem Waldweg welcher den Gleisunterhalt vereinfacht. 

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Nach dem Chörbligerwald Richtung Grube (Streckenpunkt 610m). Im Hintergrund der lehmhaltige Hügelzug der Schweissmatt. 

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Das erste Abbaugebiet in der Schweissmatt wird durchfahren und mit einem kurzen Tunnel mit der neuen Grube Pfaffwil verbunden. Ab 2015 wird die Erhebung mit dem Tunnel abgetragen und hier der neue Verladeplatz zur Feldbahn eingerichtet. Der Zug befindet sich exakt am heutigen Gleisende. 

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Durch den im Tagbau erstellten Tunnel wird der Verladeplatz in der Grube Paffwil erreicht. Eine enge Kurve erlaubte da keine Sicht aufs Geleise. Allerdings war dies ja auch Betriebsgelände. 

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Für den Transport standen damals Kipplorenzüge à 12 (später auch 13) Wagen im Einsatz. Die Lok hat gerade den leeren Zug auf dem rechten Geleise gebracht und rangiert sich nun vor den in der Zwischenzeit beladenen Zug auf dem linken Geleise. 

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Ohne Pause beginnt die Lok mit dem beladenen Zug wieder die Rückfahrt zur Ziegelei

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Während der Zug nun auf der Fahrt zur Ziegelei ist, beginnt die Beladung des hier abgestellten, leeren Zuges. Nur die letzte Kipplore besass eine Handbremse zur Sicherung des abgestellten Zuges. Betrieblich wurde der Zug ausschliesslich mit der Lok gebremst. 

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Zwischenzeitlich wurde der beladene Zug in Körbligen entleert und hat als Leerzug sein Ziel in der Grube Pfaffwil beinahe wieder erreicht. Hier durchquert der Zug gerade das ehemalige Abbaugebiet in der Schweissmatt wo es immer noch zwei kurze, nebeneinander liegende Abstellgeleise gab. In der Nähe befindet sich heute auch ein für ehemalige Lehmgruben typisches Biotop. Seit 2015 endet hier durch den verlegten Verladeplatz der erweiterten Grube Pfaffwil allerdings auch das Hauptgeleise. 

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Ein Blick von oben auf den in den Tunnel einfahrenden Zug. 

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Fast schon einem Bergwerk ähnlich verlässt kurze Zeit später der beladene Zug durch eine urchige Grubenlandschaft wieder Pfaffwil.

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Bei den Abstellgleisen in der Schweissmatt und dem Verlassen des Abbaugebietes der Ziegelei.

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Auf gestossener Bergfahrt  in der Kurve vor der Schweissmatt/Lätte (ca. bei Streckenmeter 900). Rechts im Hintergrund der Chörbligerwald.

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Entlang einem kleinen Rinnsal wird nach der Kurve bei Streckenmeter 900 die im Hintergrund bereits sichtbare ehemalige Grube Schweissmatt erreicht. Leerzug auf gestossener Bergfahrt.

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Ein beladener Zug auf Talfahrt kurz vor dem damals noch ungesicherten Bahnübergang bei Pfaffwil/Schweissmatt. (Streckenmeter 730) 

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Der beladene Zug von Pfaffwil kurz vor dem Eintauchen in den Chörbligerwald. (ca. Streckenmeter 490)

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Die selbe Stelle bei der Vorbeifahrt des Zuges mit Blick in den Chörbligerwald. (ca. Streckenmeter 490)  

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Damals noch exklusiv für die Feldbahn wird der Chörbligerwald durchquert. Der von der im Hintergrund noch knapp sichtbaren Ziegelei losgefahrene gestossene Leerzug. (ca. Streckenmeter 350)

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Der Zug ist da nicht vorbeigefahren. Ein Halt mitten im Wald und meine erste Instruktion in der Bedienung einer Feldbahnlok hat begonnen ;-) Auch nach vier Jahrzehnten ein bleibendes Erlebnis und einen grossen Dank an den freundlichen Lokführer.
Dass es an der selben Stelle 25 Jahre später mit einer eigenen Lokomotive noch mal einen Fototermin geben sollte konnte wirklich niemand erahnen und gehört wohl zu den vielen unglaublichen Zufällen welche nur das reale Leben so bereithalten kann (siehe Teil3). Sicher wurde aber genau hier wohl die Freude und das Interesse für die kleinen Bahnen weiter nachhaltig geprägt - ein grosses Dankeschön!

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Erinnerungen an meine ersten Feldbahn-Instruktionen im Chörbligerwald ;-) 

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Ankunft mit dem Leerzug an der Verladestelle in der Grube Pfaffwil. 

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Verladestelle Grube Pfaffwil. Ausser etwas abwaschbaren Betriebsspuren die noch fabrikneue Lokomotive Schöma CHL20G

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Über die noch im Tunnel liegende Weiche rangiert die Lok vor den in der Zwischenzeit beladenen Zug zur Rückfahrt zur Ziegelei in Körbligen.

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Verladestelle Grube Pfaffwil. Diesellokomotive Typ CHL20G Schöma, 22PS mit luftgekühltem Motor von Deutz F2L 812.

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Verladestelle Grube Pfaffwil. Diesellokomotive Typ CHL20G Schöma, 22PS mit luftgekühltem Motor von Deutz F2L 812. 

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Verladestelle Grube Pfaffwil.
Die Zugstämme aus je 12 Kipploren besassen am Ende eine gebremste Kipplore. Diese dienten jedoch nur zur Sicherung der abgestellten Wagengruppen. Betrieblich wurden die Züge nur mit der Lokomotive gebremst. 

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Der kurze Tunnel welcher die neuere Lehm-/Tongrube Pfaffwil mit dem früheren nun noch durchfahrenen Grubenteil Schweissmatt verband. 2015 wurde im Rahmen einer Erweiterung/Neuorganisation des Abbaugebietes der gesamte trennende Zwischenausläufer mit dem Tunnel abgetragen und eine neue Verladestelle in der Schweissmatt erichtet. Dadurch wurde die Feldbahnstrecke um ca. 150m verkürzt. Dieser Verlust wurde jedoch mit der neuen Zweigstrecke zum firmeneigenen Feldbahnmuseum mehr als kompensiert. 

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Verladestelle Grube Pfaffwil. 

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 7.1981


Verladestelle Grube Pfaffwil. Ungebremste Kipplore der Einheitsbauart. Nach der Umspurung und Umstellung auf moderne voluminöse Kastenkipper im Jahre 1989 war auch in Körbligen das Zeitalter der klassischen Kipploren vorbei. Im Gegensatz zu einigen Lokomotiven lohnt sich eine Umspurung/Umbau von Kipploren auf eine breitere Spur üblicherweise nicht. So wurden für Spezialanwendungen und für museale Zwecke nach der Umspurung der Bahn von 50cm auf 60cm einige wenige Kipploren gebraucht für die neue Spurweite nachbeschafft. 

 

 


 

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