1989 begann für die Feldbahn der Ziegelei Schumacher das neue Zeitalter auf 60cm Spur. Das "Starterset" war aber nicht neu sondern bestand aus gebraucht gekauften Wagen und einer gebrauchten Lokomotive. Wohlwissend um die Langlebigkeit von Feldbahnmaterial erfüllten diese Fahrzeuge noch für Jahre ihren Zweck und hinterliessen frisch revidiert trotzdem stets auch den Eindruck eines modernen Transportsystems. Im Teil 3 werden die ersten Jahre auf 60cm Spur gezeigt.

 

 

Originalbild anzeigen Grafik BEB


Übersichtsplan mit ungefähren Streckenlängenangaben bei markanten Wegpunkten.  

 

 


 

 

Im Teil 3 auf Spurweite 60cm gezeigte Fahrzeuge:

 

Lokomotive orange/Unterbau rot: 

Diesellok Typ DFL60/1.1 Diema,  Diepholzer Maschinenfabrik (Fritz Schöttler GmbH, Diepholz (D), Bj.1965 Fabrik.Nr. 2803, 47PS, 6.0t, luftgekühlter 4-Zyl. Motor Deutz. Neu als DS30 an IVB Zwolle (Niederlande), 1978 zurück an Diema und Umbau zu DFL60/1.1, verkauft an Ziegelei "Steenbakkerijen van Biervliet", Zonnebeke (Belgien), 1984 zurück an Diema, 1988 verkauft an Ziegelei Schumacher.
Dies war die erste 60cm Spur Lokomotive bei der Ziegelei Schumacher und ist heute in Weiss Reservelok und auch für Besucherzüge im Einsatz.

 

Lokomotive orange/Unterbau schwarz:

Diesellok Typ CHL30G Schöma, Christoph Schöttler Maschinenfabrik GmbH, Diepholz (D), Bj.1990 Fabrik.Nr.5140, 63PS, 7.5t. Die Lok trägt den Namen "Titanus" und wurde fabrikneu an die Ziegelei Schumacher geliefert. Heute zusammen mit neuen Mühlhäuser Kastenkippwagen in Weiss mit schwarzem Unterbau. 

 

Lokomotive orange/Unterbau rot: (Umbau von 50cm Spur)

Diesellok Typ DS20 Diema,  Diepholzer Maschinenfabrik (Fritz Schöttler GmbH, Diepholz (D), Bj.1963 Fabrik.Nr. 2638, 22PS, 3.3t, luftgekühlter 2-Zyl. Motor Deutz. Die Lokomotive wurde (wie die BEB-Lok Diema 2054) an die Flemmingsche Ziegelwerke, Hannover für die Grube Isernhagen ausgeliefert. Die Lokomotive war ursprünglich offen ohne Führerhaus. 1979 via Diema an Ziegelei Schumacher. 1989 umgespurt auf 60cm und danach meist für Besucherzüge im Einsatz. Die Lok ist museal erhalten. 
Anlässlich von Probefahrten bei der Ziegelei Schumacher im Jahre 2006 mit der ebenfalls von der selben Grube Isernhagen der "Flemmingsche Ziegelwerke" stammenden BEB-Lok DS30 2054 kam es zu einem nochmaligen Zusammentreffen der beiden mittlerweile auf 60cm umgespurten Lokomotiven.

 

Kastenkippwagen gelb

Für den neuen Betrieb auf 60cm Spurweite bot sich der Ziegelei Schumacher im Jahre 1988 die Gelegenheit 9 gut erhaltene, gebrauchte Kastenkippwagen sehr günstig in Belgien zu kaufen. Hersteller: Stevens Gebroeders S.P.Y, Ieper Poperinge/Belgien. Die Wagen waren Selbstentlader und hatten dazu 2 fest angebaute, pneumatische Hubzylinder. Der Betrieb startete mit 4 revidierten Wagen, nach Eintreffen der neuen Lok "Titanus" wurde der Zugstamm auf 6Wagen erweitert. Erst 2017, nach fast 30 jährigem Einsatz wurden die Wagen durch modernere, geräumigere Wagen von Mühlhäuser ersetzt welche jedoch mit externen, fest installierten Hubvorrichtungen entleert werden.

 

 

Originalbild anzeigen Foto: Heinz Bircher / 20.7.1988


Die Zukunft wartet bereits in Form der gebraucht gekauften und revidierten DFL60 mit den ebenfalls überholten belgischen Kastenkippern abgestellt und etwas verstaubt in der Entladehalle neben den Schienen auf ihren Einsatz nach der Umspurung im nächsten Jahr. Die damals bereits 24jährige Lok (Bj.1965) wird jedenfalls noch gute Dienste leisten und ist heute in modernem Weiss noch immer als Reservelok und im Zubringerverkehr zum firmeneigenen Feldbahnmuseum im Einsatz. Ein überzeugendes Beispiel für die Langlebigkeit und Robustheit von Feldbahnen. Leider ist die Ziegelei Schumacher heute die einzige Ziegelei die diese Vorzüge noch nutzen kann bzw. will.

 

 

Originalbild anzeigen Foto: Heinz Bircher / 10.10.1990


Der Betrieb mit der DFL60 von Diema auf der "normalen" Feldbahnspurweite von 60cm hat begonnen. Für den 47PS leistenden luftgekühlten 4-Zyl. Motor von Deutz ist besonders an heissen Tagen auf sehr gute Luftzufuhr zu achten. So wurden an solchen Tagen meist die Türen des Motorraumes gleich ausgehängt. Dieses Verfahren wurde übrigens auch bei der DS90 der Zürcher Ziegeleien in der Bözenegg mit ihrem luftgekühlten 6-Zyl.Motor genauso gehandhabt. 

 

 

Originalbild anzeigen Foto: Heinz Bircher / 10.10.1990


Grube Pfaffwil. Im Gegensatz zu früher wird der Betrieb mit den neuen, automatisch zu entleerenden Kastenkippern nur noch mit einem einzigen Zugstamm abgewickelt wobei dann der Lokführer auch die Beladung übernehmen kann. Trotzdem konnte damit aber das tägliche Transportvolumen wesentlich gesteigert werden. Die Wagen sind mit festen Kuppeleisen und Pneumatikleitungen zu den Hubzylindern untereinander und zur Lok verbunden. So wurde in der Grube Pfaffwil nur das gerade zum Tunnel liegende Verladegleis umgespurt und neu aufgebaut. Am in Richtung Grube gestossenen Betrieb änderte sich nichts. Geblieben ist einzig eine Weiche für ein Abstellgleis in der durchfahrenen alten Grube Schweissmatt.  

 

 

Originalbild anzeigen Foto: Heinz Bircher / 10.10.1990


Grube Pfaffwil. Die 1965 gebaute DFL60 von Diema erledigte die ersten beiden Jahre bis zum Eintreffen der fabrikneuen CHL30G von Schöma den gesamten Verkehr. Gut zu sehen auch die Kupplung mit Kuppeleisen und Halterung für die Pneumatikleitungen zu den Hubzylindern für die Entleerung der Wagen. 

 

 

Originalbild anzeigen Foto: Heinz Bircher / 10.10.1990


Pfaffwil nach dem Bahnübergang auf der Fahrt zur Ziegelei (bei ca. Streckenmeter 500). Auch wenn alles nur gebraucht erworben wurde, ein sehr gepflegter moderner Feldbahnzug. Im Vergleich zu den alten Kipplorenzügen wahrlich ein Quantensprung. Ähnliche Modernisierungen gab es nur noch in der Bözenegg bei den Zürcher Ziegeleien und in Brunnen bei der Zementfabrik Hürlimann/Holcim. Trotzdem ist heute die Ziegeleibahn in Körbligen die einzig übriggebliebene ihrer Art im kommerziellen Einsatz in der Schweiz, abgesehen von den temporären Baubahnen meist im Zusammenhang mit Tunnelbaustellen.

 

 

Originalbild anzeigen Foto: Heinz Bircher / 10.10.1990


Ziegelei Schumacher Körbligen. 4-Wagenzug mit den revidierten belgischen Kippwagen. Auch mit der neuen Spurweite hat sich an der Streckenführung selbst und der Umladehalle der Ziegelei nichts geändert. Verschwunden ist hier nur die einstige Ausweichstelle und ein Abstellgleis. (siehe Teil1,2).

 

 

Originalbild anzeigen Foto: Heinz Bircher / 10.10.1990


Der entladene Zug wird wieder zurück zur Grube gestossen. Im Hintergrund der Chörbligerwald. (ca. bei Streckenmeter 100). Durch den Gleisbau hat sich direkt entlang dem Geleise da nun ein etwas ausgeprägterer Feldweg ergeben. 

 

 

Originalbild anzeigen Foto: Heinz Bircher / 10.10.1990


Kaum war die Bahn umgespurt, wurde auch bereits die einstige 50cm Spur DS20 von 1963 der ehemaligen Flemmingschen Ziegelwerke auf die neue 60cm Spur umgebaut. Selbst mit einer Luftbremse und Luftleitungen nachgerüstet hätte sie notfalls wohl sogar eingeschränkt als Ersatzlok eingesetzt werden können. Ihr Einsatzgebiet auf 60cm Spurweite blieben aber fast ausschliesslich die bei der Firma Schumacher beliebten Besucherzüge. Der auf einem 60cm Spur Untergestell einer ehemaligen gebremsten Kipplore neu aufgebaute Bereisungswagen zeugt vom Traditionsverständnis der Firma Schumacher.  

 

 

Originalbild anzeigen Foto: Heinz Bircher / 2.7.1991


Grube Pfaffwil. Knapp 2 Jahre nach der Umspurung traf dann Ende 1990 die fabrikneue 63PS starke CHL30G von Schöma ein. Die Lokomotive bekam bei der Ziegelei Schumacher den Namen "Titanus" und erledigt bis heute den gesamten Bahnverkehr. Noch mit den 4 zuerst revidierten Kastenkippwagen im Einsatz werden bald 2 weitere Wagen dazugefügt. Dieser von "Titanus" gezogene 6 Wagenzug wird das Bild der Feldbahn die nächsten 2 Jahrzehnte nun prägen. Die zu Beginn eingesetzte Lok DFL60 von Diema wird als Reservelok vorgehalten.

 

 

Originalbild anzeigen Foto: Heinz Bircher / 2.7.1991


Grube Pfaffwil. Durch den zum Waldrand hin wandernden Abbau der Lehm/Tongrube wurde auch das Verladegleis dahin verlängert. So erreichte die Bahn eine maximale Streckenlänge von 1,3km. Eine Neuorganisation des Abbaugeländes mit Neugestaltung des Verladeplatzes im Bereich der ehemaligen Grube Schweissmatt führte dann vor einigen Jahren zur Kürzung der Bahn auf ca. 1,15km Länge. Allerdings wuchs durch die in der selben Zeit erstellte neue Zufahrtsstrecke zum Feldbahnmuseum die gesamte Gleislänge um mehr als einen halben Kilometer an (siehe Plan).

 

 

Originalbild anzeigen Foto: Heinz Bircher / 2.7.1991


Der beladene Zug hat soeben den Chörbligerwald verlassen und trifft demnächst bei der Ziegelei ein. Lok CHL30G "Titanus" noch mit einem 4-Wagenzug.

 

 

Originalbild anzeigen Foto: Heinz Bircher / 2.7.1991


Der selbe Zug mit 4 belgischen Kastenkippwagen von S.P.Y. (Stevens Gebroeders, Ieper Poperinge/Belgien). Die zwischen den Rädern angebrachten seitlichen Zungen sichern die Wagen automatisch gegen einen Absturz während der Entleerung. Die Wagen waren Selbstendlader befanden sich 2 pneumatische, von der Lok gespiesene Hubzylinder direkt am Wagen selbst. Die heutigen (ab 2017) eingesetzten Kippwagen von Mühlhäuser werden mit stationären, externen Kippvorrichtungen geleert.

 

 

Originalbild anzeigen Foto: Heinz Bircher / 2.7.1991


Ziegelei Schumacher, Kippwagen von Stevens Gebroeders S.P.Y., Ieper Poperinge/Belgien

 

 

Originalbild anzeigen Foto: Heinz Bircher / 2.7.1991


Ziegelei Schumacher, Diesellok "Titanus",  Typ CHL30G Schöma, Bj.1990 Fabrik.Nr.5140, 63PS, 7.5t. Zwischen den Rädern ist auch eine Magnetschienenbremse sichtbar.

 

 

Originalbild anzeigen Foto: Heinz Bircher / 2.7.1991


Durch den Chörbligerwald  besitzt die Bahn zwar nicht mehr ein ganz exklusives schmales Trassee wie zu Zeiten der 50cm Spur Bahn (siehe Teil 1 und 2), trotzdem natürlich stets noch ein reizvoller Abschnitt im Spiel von Licht und Schatten.

 

 


 

 

Anhang

Die Feldbahn der Ziegelei Schumacher diente auch für Probefahrten der von der Firma Tafag übernommenen Lokomotive der zukünftigen Bözenegg-Eriwis Bahn. Eine kleine Bilderserie von diesen Fahrten. Wie die DS20 der Ziegelei Schumacher wurde auch die DS30 der BEB ursprünglich an die Flemmingsche Ziegelwerke, Hannover geliefert. Beide Lokomotiven kamen da zusammen auf 50cm Spurweite in der Grube Isernhagen zum Einsatz.
Es war ein historischer Moment als sich beide Lokomotiven, mittlerweile auf 60cm umgespurt, im Bereich der Grube Schweissmatt nochmals auf einem Bild vereinen konnten.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 13.5.2006


BEB Lok auf Abnahme/Probefahrt auf der 60cm Spur Feldbahn der Ziegelei Schumacher. 
DS30 Fabrik.Nr. 2054 Bj.1957, 45PS, luftgekühlter 3-Zyl. Motor A3L514 Deutz, ex. Prader, ex. Zschokke, ex. Flemmingsche Ziegelwerke.
(siehe auch Bericht zum Lebenslauf der BEB Lok unter Bözenegg-Eriwis Bahn) 

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 13.5.2006


Unmittelbar am Waldrand des Chörbligerwaldes (Seite Pfaffwil) wird auf einer kleinen Brücke ein Bachlauf überquert. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 13.5.2006


Mitten im Chörbligerwald. Genau an der Stelle bekam ich vor 25Jahren von einem freundlichen Feldbahnlokführer der Ziegelei Schumacher meine ersten Instruktionen in der Bedienung einer Feldbahnlok. (siehe Teil 1). Ein ganz besonderer Halt ;-)
P.S. Das früher oft verwendete Gelb für Baumaschinen variert sehr stark in Abhängigkeit der Farbtemperatur des einfallendes Tageslichtes. So kann das Erscheinungsbild von bräunlichem Dunkelgelb bis Hellgelb varieren. Der kleine Rotanteil im grünen Wald lässt die Lok daher in einem hellen Gelb erscheinen.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 13.5.2006


Das historische Zusammentreffen der beiden Lokomotiven der ehemaligen "Flemmingsche Ziegelwerke". Beide Lokomotiven waren ursprünglich in der Grube Isernhagen bei Hannover auf Spurweite 50cm im Einsatz. Die DS20 (rechts) damals aber noch ohne Führerhaus als offene Lokomotive. Dass sich die beiden, mittlerweile auf 60cm umgespurten Lokomotiven fernab des ursprünglichen Einsatzortes nochmals treffen war ein unglaublicher Zufall. 
Die mit Führerhaus ergänzte DS20 war damals noch mangels anderer Möglichkeiten mit dem Besucherzug auf dem Abstellgleis in der alten Grube Schweissmatt abgestellt. Heute hat die Lok natürlich auch ihren Platz im firmeneigenen Feldbahnmuseum bekommen. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 13.5.2006


Grube Schweissmatt mit dem Verbindungstunnel zur Grube Pfaffwil. Durch die abgetragene Landzunge und den umgestalteten Verladeplatz endet heute genau an der Stelle das Gleis der Ziegeleifeldbahn. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 13.5.2006


Die von der Firma Tafag in Arth-Goldau organisierten Probe-/Abnahmefahrten verliefen erfolgreich, sodass gleichentags die Reise zunächst nach Gränichen bei Aarau weitergehen konnte. Ein Jahr später begann dann das neue Kapitel als Bözenegg-Eriwis Bahn in Schinznach-Dorf. 

 

 


 

 

zur Fotogalerie:  Körbligen Teil 3

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