Das Depot der Bözenegg-Eriwis Bahn im Wandel der Zeit

Originalbild anzeigen BEB

 

Nach bereits unsicheren Vorjahren wurde 2015 zum Schicksalsjahr der Bözenegg-Eriwis Bahn. Sein oder nicht sein war von Faktoren abhängig, die nicht mehr beeinflusst werden konnten. Pläne vom Ziegeleikonzern zum Auffüllen der Tongrube mit einer Zufahrtsstrasse auf dem Bahngeleise waren bereits gezeichnet und dem Bauherrn des Bözbergtunnels unterbreitet.
Die Existenz der BEB spielte bei diesen Betrachtungen natürlich absolut keine Rolle.
So war es nur eine unglaubliche Verknüpfung von glücklichen Zufällen, dass diese Planungen allesamt zu Makulatur wurden und als Folge davon die Grube mit den Gleis- und Depot-Grundstücken in den Besitz des langjährigen, und der Bahn wohlgesonnen Pächters, dem Verein Naturwerkstatt, gelangten. 
Eine Sanierung des Depots war im Falle eines Weiterbestehens der BEB absolut dringlich, war doch bereits eine als einfacher Riegelbau mit Deckplatten erstellte Gebäudeseite teilweise vom Fundament gerutscht und auf der Gegenseite eine tragende Strebe vollständig gebrochen und die Benachbarte eingeknickt. Ständige Kontrollmessungen zeigten auch eine zunehmende Schrägstellung der gesamten Gebäudehülle. Bedingt durch die sich ausbreitende, benachbarte Tunnelbaustelle der SBB mit zeitweise eingeschränkten Zufahrtsmöglichkeiten und den bald wieder aufkommenden Herbststürmen war für eine Sanierung höchste Eile geboten.
Bereits als sich die Handänderung der Grundstücke mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf der Zielgeraden befanden, konnte nach Rücksprache mit dem zukünftigen Besitzer unverzüglich mit der Gebäudesanierung begonnen werden.
So war der 10.7.2015 mit der Entrümpelung des ungenutzten Tankraumes nach Jahren der Ungewissheit auch der Start in eine neue, langersehnte gesicherte Zukunft der Bözenegg-Eriwis Bahn.
Im Gegensatz zum Überbau war das Fundament 1968 glücklicherweise solide erstellt worden. Völlig ungenügend waren nur Teile der Drainagen welche den tiefer liegenden, ehemaligen Tankraum nicht mehr zuverlässig vor eindringendem Wasser schützen konnten.
Der nicht mehr benötigte eigenständige Tankraum, die BEB verbraucht nur ca.100-150 Liter Diesel pro Jahr, kann heute als wertvolle kleine Wartungsgrube genutzt werden. 
Während den Sanierungsarbeiten am Gebäude stand für einige Zeit für die Fahrzeuge nur noch ein leichtes Partyzelt als minimaler Wetterschutz zur Verfügung. In Erinnerung bleiben da die bangen Minuten während dem Überqueren einer orkanartigen Sturmfront. Umso grösser war dann die Freude und Erleichterung als die Fahrzeuge bereits wieder zwischen die neuen und stabilen Wände einfahren konnten. 
In diesem Teil 2 des Berichtes werden die am Depot ausgeführten Vorarbeiten am und um das weiter nutzbare Fundament beschrieben. Der Wiederaufbau einer stabilen Gebäudehülle auf dem bestehenden Fundament folgt dann im Teil 3.

 

 


 

 

Originalbild anzeigen BEB / 10.7.2015


2015 starteten die Vorarbeiten für den neuen SBB Bözbergtunnel dem auch die ehemalige Feldbahn-Verladeanlage weichen musste. Gleichzeitig entschied die Ziegelei auf den Abbau des restlichen Tonvorkommens zu verzichten und das gesamte Gelände zu veräussern. Nachdem anfangs 2017 die Verkaufsverhandlungen mit dem Neuen, der Bahn wohlgesonnenen Besitzer, auf sehr gutem Wege waren, begannen unverzüglich die Sanierungsarbeiten am Depot. Dies war dringend nötig um bis zu den Herbststürmen das zusehends aus dem Lot kippende Gebäude durch eine stabile Konstruktion ersetzt zu haben. Dazu sollten auch die noch für kurze Zeit guten Zufahrtsmöglichkeiten zum Depot genutzt werden können. So begann anfangs Juli die Entrümpelung des ehemaligen Tankraums und Teilen vom Depot. Nach Jahren völliger Ungewissheit mit mehr Tiefs als Hochs der Start in eine gesicherte Zukunft als Museumsbahn.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 11.7.2015


Von den Dieselzuleitungen und der Zapfsäule befreit ist der aufzuschneidende Bereich in der armierten Rückwand zum ehemaligen Tankraum eingezeichnet.  

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 11.7.2015


Im vollständig entrümpelten, etwas tiefer gelegenen Tankraum ist der zu öffnende Bereich ebenfalls markiert. Diese Öffnung wird den Einbau einer kleinen Wartungsgrube ermöglichen. Damit können Einstellungen am Bremsgestänge unter den Fahrzeugen mit vergleichsweise zu früher guter Zugänglichkeit erledigt werden. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 28.7.2015


Ebenfalls ein sehr dringender Sanierungsfall rund ums Depot sind die nicht mehr richtig funktionierenden Drainagerohre, welche immer wieder zum Einlaufen von Wasser in den Tankraum führten. Dazu muss auch ein neues Ablaufrohr mit korrektem Gefälle gelegt werden. Für diese Leitung muss der Deckbelag entfernt und das Gleisfundament untergraben werden. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 28.7.2015


Zwei Oldtimer mit ihren passenden Wagen. Auch bei den beginnenden Sanierungsarbeiten trafen gelegentlich historische Fahrzeuge auf Schiene und Strasse zusammen. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 28.7.2015


Die drei ausgebauten einwandigen 1000 Liter Dieseltanks wurden bei der Aufgabe des Abbaubetriebes professionell gereinigt und fanden für andere Zwecke noch dankbare Abnehmer. Zur Zeit des Abbaubetriebes wurden Lok und Bagger daraus versorgt. Der Treibstoffbedarf der BEB Diesellok beschränkt sich auf jeweils ca. 100-150 Liter/Jahr. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 29.7.2015


Eine spezialisierte Firma erledigte das Betonschneiden durch den armierten, 30cm dicken Beton an der Rückwand zum ehemaligen Tankraum. Die dicke Betonwand sollte die Dieseltanks im Falle eines Aufpralls mit der damaligen, 11t schweren Lok schützen. Die Schnitte erfolgten traditionell mit Hartmetall bestückten grossen Kreissägeblättern. Dafür musste mit viel Wasser intensiv gekühlt werden. Trotz stetigem Absaugen waren entsprechende Spuren auch an der Decke unvermeidlich. Das noch im Betrieb stehende Depot wurde dazu bestmöglich abgedeckt. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 29.7.2015


Das Kreissägeblatt hat den Tankraum erreicht. Die Funken zeigen, dass gerade Armierungseisen im Beton durchtrennt werden. Der Grundschnitt erfolgte zuerst damit das Sägeblatt durch die abgetrennte Betonplatte nicht eingeklemmt werden konnte. 

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 29.7.2015


Alle Schnitte sind gemacht. Danach ging es ans Herausbrechen und den Abtransport der Betonbrocken. Die senkrechte dicke Betonwand wurde da aus Gewichtsgründen vorausschauend in 2 Stücke geschnitten. Mit einem Brecheisen erhielt die eine Hälfte der Betonwand ihren finalen Stoss der mit einem zünftigen Rumps quittiert wurde. Die Holzschwelle war dazu da, den Schlag auf die Bodenplatte etwas abzufedern. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 29.7.2015


Die Betonblöcke konnten mit der Lokomotive und entsprechenden Seilschlaufen auf den nassen Schienen problemlos aus dem Depot gezogen werden. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 30.7.2015


Am nächsten Tag wurden die Betonklötze mit einem Elektromeissel in ihre Bestandteile zerlegt. Auf dem Bild wird gerade die mit Profilen gebaute, ehemalige Bodenplatte zerkleinert. Zwischen die vorgefertigten armierten T-Profile wurden zuerst spezielle Profilkörper eingelegt, um darauf den Beton zu giessen. Dadurch war für den Bau des Bodens keine separate Verschalung nötig.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 1.8.2015


Erst provisorisch unterstützt und noch nicht dauerhaft befestigt wagt sich zum ersten Mal der Güterwagen auf das zukünftige Grubengleis. Auch wenn nur als Tankraum entworfen, man hätte das Depotfundament für den Zweck einer kleinen Wartungsgrube eigentlich nicht besser bauen können. Dies erleichtert die Wartungsarbeiten unter den Fahrzeugen enorm. Vom übriggebliebenen Teil des Zwischenbodens sind auch die Dachpartien der Fahrzeuge gut zugänglich. Die Arbeitsfläche auf dem Zwischenboden wird später noch mit Geländern geschützt.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 1.8.2015


Blick vom Zwischenboden auf die Grube und das zukünftige Wartungsgleis. Der von der früheren Nutzung etwas gezeichnete Boden wird noch eine intensive Reinigung erfahren. Im Weiteren müssen nun noch die Drainagen ums Gebäude erneuert und tiefer gelegt werden, um zukünftig ein Eindringen von Wasser sicher zu verhindern. Die ehemalige Seitentüre in den einst separaten Tankraum wird zum sinnvollen, rückwärtigen Notausgang im sonst fensterlosen Depot.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 6.8.2015


Die bisherige Drainage war nicht nur weitgehend verstopft und mit Wurzelwerk zugewachsen, sondern auch zu hoch angelegt worden. Zur zuverlässigen Sicherung vor eindringendem und am Fundament anstehendem Wasser wird das Gebäude bergseitig bis knapp unter die Bodenplatte freigelegt, um da die neuen Drainagerohre zu verlegen. Nach der Reinigung von Erdresten wird das freigelegte Fundament zusätzlich neu abgedichtet. 

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 6.8.2015


Ein speziell für beengte Verhältnisse ausgelegter Bagger war beim Aushub im tonhaltigen Boden ums Gebäudefundament eine sehr geschätzte Hilfe.  

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 8.8.2015


Der ebenfalls tiefer zu legende Abfluss aus den Drainageleitungen musste unterhalb des Depots nicht nur das Gleisfundament, sondern noch andere im Boden verlegte Rohr und Elektroleitungen unterqueren. Dies war nur mit reiner aufwändiger Handarbeit zu bewerkstelligen. Ironie oder Schicksal, genau diese Stelle wurde im Rahmen der Tunnelbaustelle mit Umlegung von Bachläufen und Leitungen noch mehrfach geöffnet. So wurde nicht nur die neu verlegte grüne Röhre bald wieder obsolet, sondern auch das sichtbare mit viel Aufwand gerade unterquerte grössere Wasserleitungsrohr entfernt. 

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 8.8.2015


Der Sammelschacht für die tiefer gelegten Drainageleitungen  musste ebenfalls erneuert werden. Der Graben über den Drainagen ist mit neuem, groben Kies verfüllt. Die bereits etwas verfüllte, nach vorne verlaufende Abflussleitung wird bald wieder ersetzt und mit einer vom Sammler nach rechts abgehenden Leitung an den durch die Tunnelbaustelle bedingten, neuen Bachlauf angepasst.  

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 15.8.2015


Die gesamte Elektroinstallation entsprach nicht mehr den Anforderungen der heutigen Zeit und musste komplett ersetzt werden. Da auch in der Zeit der Gebäudesanierung jederzeit Stromanschlüsse zur Verfügung stehen mussten, wurde das zukünftige, neue Elektrotableau vorgängig auf eine provisorische Stellwand montiert. Alle da beschafften Apparate sind heute Teil der festen Gebäudeinstallation. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 27.8.2015


Während die Arbeiten am und ums Fundament weitgehend abgeschlossen sind, wird für die Sanierung/Ersatz der instabilen Wände das Gebäude eingerüstet. Während der ganzen Bauzeit sollte das Gleis rechts zur unmittelbar vor dem Abbruch stehenden Verladerampe, für letzte Abschiedsfahrten befahrbar bleiben. So musste beim Gerüstbau auch auf das Lichtraumprofil aller Fahrzeuge Rücksicht genommen werden. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 28.8.2015


Für die nun anstehenden Arbeiten musste, von einigen Unterbrüchen abgesehen, das Depot geräumt werden können. Die Fahrzeuge fanden in diesen Perioden Unterschlupf in einem etwas labilen Provisorium aus einem normalerweise nur für "Cüpligesellschaften" verwendeten Partyzelt. An der Sanierung des Depots wurde von Beginn weg mit Hochdruck gearbeitet, auch im Wissen bald aufziehender Herbststürme.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 28.8.2015


Das provisorische "Partyzelt-Depot" konnte durchfahren und auch Richtung Grube geöffnet werden. So war selbst während der Bauzeit ein eingeschränkter Bahnbetrieb möglich. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 6.9.2015


Das Durchfahrtgleis von der noch kurze Zeit existierenden Verladerampe durch den geöffneten Baustellenbereich und dem provisorischen Depot im Hintergrund.

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 4.9.2015


Gemäss heute gültigen Baunormen waren die damals eingesetzten Holzprofile für tragende Konstruktionen zu schwach dimensioniert. Noch schlimmer war aber der Umstand das die ganze talseitige Gebäudewand fast zur Hälfte neben dem Fundament stand. Ein Abrutschen einer Gebäudewand hätte mit der Last des Ziegeldaches zum Einsturz des ganzen Depots geführt. Im Bewusstsein der dazu noch eingedrückten bergseitigen Wand mit einer gebrochenen tragenden Stütze war sofortiges Handeln einfach ein Gebot der Stunde.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 12.9.2015


Schon ziemlich luftig aber noch mit dem bestehenden Dach konnte zwischendurch auch das alte Depot noch zum Einstellen der Fahrzeuge benutzt werden. Ursprünglich war geplant das Dach anzuheben und auf die neu erstellten Wänden abgesenkt weiter zu benutzen.
Nach dem Entfernen der Deckenplatten und Einblick in den bis dahin verschlossenen Dachstock offenbarte die Holzkonstruktion jedoch starken Holzwurmbefall. Eine weitere Verwendung war schon rein statisch nicht mehr zu verantworten. Der ungeplant nun auch neu zu erstellende Dachstock wurde in einer offenen, von innen sichtbaren Konstruktion ausgeführt. So ist auch versteckter Insektenbefall kaum mehr möglich.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 17.9.2015


Eine weitere ungeplante Überraschung gab es beim Abdecken des Daches, zerbrachen doch viele Ziegel schon beim Anheben vom Dach. Offenbar wurde beim Bau vor fast 50 Jahren des betriebsinternen, letztlich nur für eine beschränkte Zeit ausgelegten Gebäudes wohl nur überzählige B-Ware verwendet. Immerhin erübrigte sich dann ein sorgfältiges heruntertragen und stapeln. Die brüchigen Ziegel wurden gleich in Paketen auf direktem Luftweg nach unten in den bereitgestellten Wagen zur Entsorgung spediert.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 17.9.2015


Die ersten Ziegel sind entfernt und geben den Blick in den sich gerade verdüsternden Himmel frei. Durch das fehlende Unterdach konnte durch beschädigte Ziegel unbemerkt Wasser in den nach unten abgeschlossenen Dachstock gelangen. Die auf die Deckenplatten nur aufgelegten Isolationsmatten unterstützen dann noch die Bildung von Insektenkolonien.    

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 17.9.2015


Gerade als das Dach fertig abgedeckt war, zog unvermittelt eine orkanartige Sturmfront auf. Nur mit allergrösster Mühe gelang es gerade noch während bereits starken Windböen und im strömenden Regen die grosse Schutzblache auf dem freien Dachstock zu befestigen. Auf diese Erfahrung hätten wir alle wirklich gerne verzichtet. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 22.9.2015


Frühmorgens verlassen die Fahrzeuge zum letzten Mal die Reste vom alten Depot. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 22.9.2015


Ganz im Gegensatz zum eher lotterigen Oberbau war das Gebäudefundament damals glücklicherweise dauerhaft stabil erstellt worden. So konnten 50 Jahre später darauf nun ebenfalls solide, und zum Fundament passende Wände aus Kalksandsteinen erstellt werden. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 22.9.2015


Der angehobene und auf das Baugerüst abgestützte Dachstock diente während dem Wiederaufbau noch als temporäres Schutzdach. Die stark vom Holzwurmbefall betroffenen Endfachwerke wurden aber aus Sicherheitsgründen bereits entfernt. Die Türen im Vordergrund konnten am sanierten Gebäude wieder eingesetzt und weiterverwendet werden.
Noch werden letzte Gebäuderesten der Entsorgung zugeführt und der Werkplatz aufgeräumt. Der Wiederaufbau erfolgte unmittelbar danach und ist im folgenden Teil 3 beschrieben. 

 

 


 

 

weiter zu Teil 3:  Das BEB Depot Teil 3 - Sanierung und Wiederaufbau 2015

zur Fotogalerie:  BEB Depot Teil 2

zurück zu:  Bözenegg-Eriwis Bahn