Standort auf Karte: Kloten Balsberg: Verkehrskarte (Bahnen) von openstreetmap.org
Update: 12.11.2025 10 Bilder ergänzt
Die SBB bauen das 1,6km lange, nur eingleisige Streckenstück zwischen Opfikon Ried und Kloten für 77 Mio Fr auf Doppelspur um. Darin enthalten ist auch der Umbau der dazwischen liegenden Haltestelle Kloten Balsberg. Die Baumassnahme wurde nötig um auf dieser Strecke neben dem Güterverkehr auch einen S-Bahnbetrieb im 15min. Takt anbieten zu können.
Ein grosser Teil der umzubauenden Strecke liegt zwischen der Haltestelle Kloten Balsberg und dem Bahnhof Kloten in einem schmalen Einschnitt mit sehr beengten Zugangsmöglichkeiten. Die Aushubarbeiten und Hangsicherungsmassnahmen für das zweite Gleis müssen während dem laufenden Bahnbetrieb ausgeführt werden, so stand das bestehende, bereits stark belastete Gleis nicht auch noch für die direkte Abfuhr von Aushubmaterial zur Verfügung.
Die Bauausführung wurde an die für innovative Lösungen bekannte Firma Eberhard Bau AG vergeben.
Der ganze Bauaushub aus dem ca. 1km langen Einschnitt muss somit auf einem sehr schmalen Streifen entlang dem im Betrieb stehenden SBB Gleis zum Umschlagplatz in Balsberg transportiert werden. Ein dafür naheliegendes Förderband hätte dabei aber jeden weiteren Zugang daneben versperrt. So kam die Firma auf die Idee, eine schmale Werkbahn in der heute selten gewordenen und einzig noch bei der Ziegelei Schumacher kommerziell verwendeten Spurweite von 600mm zu bauen.
Ausser beim Bau von z.B. Druckstollen oder Überlaufstollen in der Wasserwirtschaft mit kleinem Querschnitt benutzen Baubahnen, sofern überhaupt noch im Einsatz im Tunnelbau, heute meist Spurweiten von 900mm oder sogar die Meterspur. Die Spurweite von 600mm war einst bei klassischen Feldbahnen (Ziegeleien, Steinbrüche, Industrie, Torfabbau bis hin in die Forst- und Landwirtschaft) weit verbreitet.
Im Gegensatz zu einer Förderbandanlage können auf dem betonierten schmalen Trassee der Werkbahn bei Bedarf auch mal kleinere Bagger, Geräte und Vorrichtungen an den gerade aktuellen Bauplatz fahren und da absetzen. So erlebt Dank dieser besonderen Umstände eine Werk-/Baubahn in der alten, klassischen Feldbahnspurweite von 600mm während der geplanten Bauzeit von knapp zwei Jahren nochmals ein temporäres Revival. Zufall oder nicht, die Baufirma Eberhard betreibt auch das sehenswerte "Ebanium", ein grosses Bagger- und Baumaschinenmuseum in Fisibach, am Rande auch mit etwas Feldbahnmaterial. Möglicherweise war gerade dieses Wissen über die industrielle Vergangenheit auch der Schlüssel, ein aktuelles Problem genial einfach zu lösen.
Die Werkbahn wurde Ende 2024 in Betrieb genommen und wird voraussichtlich noch bis etwa Mitte/Anfangs 2026 für den Transport von Aushub benötigt. Durch einen kleineren Lokdefekt ruhte im Oktober 2025 der Bahnbetrieb auf der ca. 600m langen schnurgeraden Strecke. Weichen gibt es keine. Eine freundliche Bauleitung erlaubte den Zugang zum direkt bei der SBB Haltestelle in Kloten Balsberg abgestellten Zug - Dankeschön.
Die 2001 von Schöma in Diepholz bei Bremen gebaute Lokomotive aus der Baureihe von "Hydrostatische Tunnellokomotiven" vom Typ CHL-60G wurde an die Vertretung der Baufirma Züblin in Singapur geliefert. Wie so oft kamen solche robusten Lokomotiven nach Beendigung von Bauprojekten auch wieder zurück zum Hersteller zur Überholung und/oder Weiterverkauf. Heute ist die Lok mit der Schöma Fabrikationsnummer 5684 im Eigentum der Baufirma Marti Tunnel AG. Für das Projekt in Kloten Balsberg wurde die Lok an Eberhard Bau AG ausgeliehen. Baulokomotiven sind meist umspurbar konstruiert, die Schöma Typen CHL-40/60G sogar noch runter bis 600mm. Für die Rückwärtsfahrt besitzt der Endwagen eine Kamera mit Bildübertragung in den Führerstand.
Auch die 2024 von der Ziegelei Schumacher neu beschaffte Feldbahn-Lokomotive basiert auf demselben Typ CHL-60G von "Hydrostatische Tunnellokomotiven", da jedoch für den Feldbahnbetrieb angepasst mit hochgesetztem Führerstand und etwas stärkerem Motor.
Alle Bilder ohne weiteren Hinweis gegenüber der SBB Haltestelle Kloten Balsberg:

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BEB / 10.10.2025 |
Schöma *) eine Fabrik in Diepholz bei Bremen wurde mit dem Bau von Feldbahnlokomotiven gross und produziert als einzig übriggebliebene europäische Firma in dem Segment vor allem noch Lokomotiven für den weltweiten Berg- und Tunnelbau. Gelegentlich kommen noch kleinere Rangierlokomotiven oder Lokomotiven für touristische Schmalspurbahnen dazu.
*) Christoph Schöttler Maschinenfabrik GmbH, Diepholz (D) seit 2025 Schöma Lokomotiven GmbH.
Tunnelbaulok von Schöma Typ CHL-60G (Hydrostatische Tunnellokomotiven) Fabrik-Nr. 5684 gebaut 2001 für Züblin Vertretung in Singapur. 78kW (106PS), 16t, heute im Besitz von Marti Tunnel AG.
Tunnellokomotiven haben im Gegensatz zu einstigen Feldbahnlokomotiven aus Profilgründen herabgesetzte Führerstände. Die in einer Fahrtrichtung komplett fehlende Sicht wird mit einer Kamera am Endwagen kompensiert. Das Kamerabild wird über ein durch alle Wagen laufendes Kabel in den Führerstand übertragen und da auf einem Bildschirm angezeigt. Als weiteres typisches Merkmal von Tunnellokomotiven befindet sich der Motorblock in Vorwärtsfahrt hinter dem Führerstand. Bei klassischen Feldbahn- und Rangierlokomotiven befindet sich der Motorraum üblicherweise vor dem erhöht angeordneten Führerstand.

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BEB / 10.10.2025 |
Tunnellokomotiven können mit ihrer typischen "Kistenform" nicht gerade mit besonderer Ästethik glänzen, sondern folgen rein funktionellen Ansprüchen. Allerdings ist darin eine äusserst robuste Technik mit anspruchsvoller "Hightech"-Steuerung verpackt. Auch bezüglich Umwelt- und Arbeitsschutz werden besonders im Tunnelbau die höchsten Ansprüche abverlangt. Die 2001 gebaute CHL-60G wird auch noch heute, ein Vierteljahrhundert später bei Schöma neu gebaut. Dieser Loktyp war auch die Basis für den aussergewöhnlichen Neubau einer Feldbahnlok für die Ziegelei Schumacher.
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BEB / 15.10.2024 |
Ziegelei Schumacher Körbligen
Zum Vergleich die auf der Basis der "Hydrostatische Tunnellokomotiven" CHL-60G von Schöma im Jahr 2024 gebaute Feldbahnlokomotive. Den Ursprung als Tunnellok kann die Lokomotive aber nicht ganz verleugnen, so fährt die Lok mit dem Motorvorbau zum Fotografen hin hier technisch betrachtet tatsächlich rückwärts.

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BEB / 10.10.2025 |
Die Baubahn fährt auf ihrer gesamten Strecke entlang eines in Betrieb stehenden SBB-Gleises mit entsprechendem Schutzzaun. So war ein Blick auf diese Lokseite nur etwas eingeschränkt möglich. Das Bild entstand vom Perron der SBB-Haltestelle Kloten Balsberg.

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BEB / 10.10.2025 |
Lok- und Eigentumsdaten im Führerstand der CHL-60G Fabrik-Nr. 5684 Bj.2001

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BEB / 10.10.2025 |

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BEB / 16.10.2025 |
Auch wenn hier im Gegensatz zum auf der selben Spurweite von 600mm verkehrenden Zug bei der Ziegelei Schumacher in Körbligen/Gisikon Wechselbehälter statt Kastenkippwagen verwendet werden, hat der Zug doch eine vergleichbare Transportaufgabe. Dazu mit einer Lok vom selben Hersteller und sogar aus der selben Baureihe, könnte man den Zug hier fast als kleiner Bruder des grösseren Ziegeleizuges sehen.

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BEB / 16.10.2025 |

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BEB / 10.10.2025 |
Verbindungen zwischen Lok und den Wagen. Halbautomatische Kupplung, Sicherungskette, Bremsleitungen und im Hintergrund das Kabel zum Kontrollkasten am Ende des Zuges (Kamera, Schluss- und Stirnlampe).

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BEB / 10.10.2025 |
Transportwagen mit zwei Behältern für den Transport von Aushub. Auch wenn nur für eine beschränkte Einsatzzeit und mit gemietetem Rollmaterial, sind die Transportbehälter optisch ansprechend gestaltet und gepflegt. Das ist ein Markenzeichen der Firma Eberhard und gilt generell für ihre Betriebsmittel, ob nun auf der Schiene oder auf der Strasse. An den wahrscheinlich wie die Lok auch von Marti Tunnel AG gemieteten, von Mühlhäuser gebauten Flachwagen ist an den Enden der Längsträger noch knapp das Mühlhäuser Symbol und am hinteren Ende der Mühlhäuser Schriftzug zu erkennen.

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BEB / 10.10.2025 |

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BEB / 16.10.2025 |
Der am letzten Wagen befestigte Signal-/Videokasten hat offensichtlich mal im rauhen und sehr beengten Baubetrieb einen heftigen Schlag erwischt. Das für die Sicherheit wichtigste Bauteil, die mit einem Winkel besonders geschützte Videokamera rechts unten am Kasten scheint das Malheur aber heil überstanden zu haben. Der Zug besteht aus 4 Flachwagen von Mühlhäuser mit 8 Transportbehältern. Ein gleichartiger Signal-/Videokasten ist auch bei der Ziegelei Schumacher im Einsatz um den Raum auch unmittelbar vor den dort im Einsatz stehenden grossen Kippwagen einsehen zu können.

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BEB / 10.10.2025 |
Der für den Doppelspurausbau umzubauende Einschnitt wird etwa in der Mitte zwischen der Haltestelle Kloten Balsberg und dem Bahnhof Kloten von einer Strassenbrücke überquert. Ein idealer Ort für eine Übersicht (Neubrunnenstrasse, siehe Link zum Plan von openstreetmap).
Die Baubahn beginnt hinten beim weissen Silo vis à vis der Haltestelle Kloten Balsberg. Während neben dem Zug der Hang bereits abgetragen und die Hangsicherung erstellt, sieht man vor dem Zug links unten noch etwa die Situation mit dem nur schmalen zur Verfügung stehenden Streifen für den Abtransport des Aushubs. Dank der betonierten Fahrbahn mit dem Baubahngleis kann auch ein Bagger mal vorsichtig zur Baustelle fahren. Hier wird gerade ein Stromaggregat aus dem Graben hochgehoben und umplaziert. Während einer Zugdurchfahrt ist jedoch Stillstand vorgeschrieben.

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BEB / 10.10.2025 |
Zur anderen Seite Richtung Bahnhof Kloten endet das Baubahngleis aktuell etwas rechts der Spitze der nach Kloten fahrenden S-Bahn. Die 600mm spurige Baubahn besitzt eine Streckenlänge von ca. 600m, Weichen sind keine vorhanden.
Der Bau-/Werkbahnzug in Betrieb (eine Fahrt am Montag Nachmittag)

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BEB / 5.11.2025 |
Blick vom Baustellenplatz bei der SBB Haltestelle Kloten-Balsberg in den zu erweiternden Einschnitt Richtung Bahnhof Kloten. Das 60cm spurige Gleis verläuft dabei auch schnurgerade entlang der SBB Linie und besitzt keine Weichen. Die im Hintergrund sichtbare Strassenbrücke (Neubrunnenstrasse) ist aktuell geradezu wie geschaffen, das Geschehen aus der Vogelperspektive zu beobachten. Der Bauzug verkehrt aber nicht täglich und selten mehr als einmal im Tag.

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BEB / 5.11.2025 |
Die nach unten erweiterte und mit einer zweiten Reihe Spannkabeln gesicherte Spundwand erlaubt das weitere Entfernen des Hanges. Wie etwas weiter hinten sichtbar wird danach die Spundwand weiter untergraben, um noch eine 3te Reihe Spannkabel zu setzen. Der Abtransport des Aushubs mit einer heute nicht mehr üblichen 60cm spurige Bau-/Feldbahn ist eine genial einfache Lösung, kann das Trassee mit der nötigen Vorsicht zwischenzeitlich doch auch noch von schmalen Raupenfahrzeugen befahren werden. Ein Förderband hätte z.B. jeden weiteren Zugang verhindert.

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BEB / 5.11.2025 |
Die Arbeit mit Baggern neben einer in Betrieb stehenden Bahnlinie, welche in das Bahnprofil hineinragen können, bedarf einiger besonderen Vorsichtsmassnahmen. So wird der Einsatz des Baggers immer auch von speziell dazu eingesetztem Sicherheitspersonal überwacht welches den Baggerführer bei der Annäherung eines Zuges mit einem Horn vorwarnt. Jeder zweite Pfosten des Schutzzauns besteht aus einem geerdeten Stahlprofil. Daran muss sich der Bagger beim Einsatz zusätzlich erden. Auf dem Bild ist das über einen Wagen des Bauzuges gelegte Erdkabel zum Bagger sichtbar.

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BEB / 5.11.2025 |
Bei der Vorbeifahrt eines Zuges muss der Bagger den Motor abgestellt haben und sich in sicherer Position befinden. Das Erdseil für den Bagger hat der Maschinist temporär an der oberen Kabinenecke eingehängt um den Bauzug zum Beladen des letzten Wagens etwas verschieben zu können. Der Bauzug kann natürlich auch während einer Vorbeifahrt eines SBB Zuges fahren.

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BEB / 5.11.2025 |
Blick auf die aktuelle Baustelle Richtung Bahnhof Kloten. Der schmale Einschnitt kann nicht in einem Stück verbreitert werden, befinden sich doch unmittelbar oberhalb mehrere mehrstöckige Wohnhäuser. So wird zuerst auf einem Gerüst der obere Teil der armierten Spundwand mit unzähligen tief ins Erdreich reichende Spannkabel erstellt. Wie unten auf dem Bild sichtbar kann erst danach der untere Teil des Hanges abgegraben, mit der Baubahn abtransportiert und danach auch noch der untere Teil der Spundwand erstellt werden. Auch im unteren Bereich der Spundwand werden weitere Spannkabel zur Hangsicherung ins Erdreich getrieben. All diese Arbeiten finden unmittelbar neben einer sehr dicht befahrenen SBB-Linie statt. (Alle halbe Stunde in beide Richtungen eine S-Bahn dazu Güterzüge welche nicht durch den unterirdischen Flughafenbahnhof Kloten fahren).

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BEB / 5.11.2025 |
Für Werkzeugtransporte existiert ein schmales Raupenfahrzeug mit einer Transportplattform. Dieses Fahrzeug wartet geduldig bis der Zug vollständig beladen und der neue Ausweichplatz freigeräumt wurde.

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BEB / 5.11.2025 |
Der Zug fuhr danach etwas weiter Richtung Streckenende um dem Bagger und dem Transportfahrzeug die Zufahrt zum soeben erstellten Ausweichplatz zu ermöglichen. Wie das jetzt rot leuchtende Schlusslicht verrät, fährt der Zug nun zurück zur Entladung beim Baustellenplatz unweit der SBB Haltestelle Kloten-Balsberg.

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BEB / 5.11.2025 |
Der beladene Zug und der Bagger sind zurück zum Baustellenplatz bei der SBB Haltestelle Kloten-Balsberg gefahren. Der Bagger hat seine Schaufel gegen einen Zweischalengreifer getauscht und beginnt mit dem Verlad des Aushubs aus dem Zug auf eine interne Zwischendeponie. Ein grosser Teil des Aushubs kann später zum Hinterfüllen o.ä. direkt auf der Baustelle wieder verwendet werden. Nur ein kleiner Teil des Aushubs wird direkt in Lastwagen zum Abtransport verladen.

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BEB / 5.11.2025 |
Der Aushub wird aus den Wagenbehältern mit einem Zweischalengreifer auf den internen Deponieplatz zur späteren Weiterverwendung umgeladen.

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BEB / 5.11.2025 |
Der leere Zug kurz vor seinem Abstellplatz vis à vis der SBB Haltestelle Kloten-Balsberg vor den Bürocontainern der Baufirma Eberhard. Hier kann auch Aushub direkt in Lastwagen zum Abtransport umgeladen werden. Der vorgängig gezeigte interne Deponieplatz befindet etwas hinter dem Zug rechts bei den beiden Silobehältern.
Informationsquellen:
- Archiv Bahn-Express Magazin für Werkbahnfreunde, Jens Merte
- Zeitschrift Eisenbahn Amateur 10/2025
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