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Der Steinach Bach fliesst durch das Stadtgebiet von St.Gallen. Wie (sehr oft) früher üblich wurde der Bach damals auch gleich zur Abwasserableitung benutzt. Um 1900 erfolgte dann eine Eindolung und etwas später, nach dem Bau einer ersten Kläranlage, wurde da im selben Tunnel das Schmutzwasser vom Bachwasser durch eine kleine Zwischenwand getrennt, parallel geführt. Allerdings konnte bei Starkregen der Schmutzwasserkanal überlaufen und Schmutzwasser ins Bachwasser geraten.
So wurde in den Jahren 1986-1991 mit dem Bau eines separaten, ausschliesslich dem Bachwasser dienenden 2,6km langen Tunnels begonnen. Der Tunnel wurde mit einer Tunnelbohrmaschine aufgefahren und mit Spritzbeton ausgekleidet. Der Bau begann im St.Galler Stadtteil Fiden im Espenmoos in unmittelbarer Nähe beim dortigen Bahnhof an der SBB Linie St.Gallen-Rorschach. Der Transport vom Aushub und Spritzbeton geschah mit einer 75cm Spur Stollenbahn mit SIG Akku-Lokomotiven.
Für das 5Jahre dauernde Projekt scheinen die beiden auch im Tiefbau tätigen Firmen Prader, heute Teil der Zindel Gruppe, und Locher ein Konsortium gebildet zu haben. Beide Firmen besassen Baubahnen und hatten offenbar auch dieselben Akku-Lokomotiven der "Schweizerischen Industrie-Gesellschaft" Neuhausen (SIG) vom Typ ETB-70 im Sortiment. Auf den Lokbildern zu Beginn sieht man eine "reine" Prader Lok mit Prader Akku (dunkelgelb) sowie eine Locher Lok (mit hellerem gelb und stirnseitigem Warnanstrich) aber auch mit einem dunkelgelben Akku von Prader. So konnten die Akkus zwischen den Loks der beiden Baufirmen frei getauscht werden. Betrachtet man die Frontbilder mit den 1250mm breiten ETB-70 Lokomotiven als Referenz, scheint die Spurweite der Baubahn 750mm gewesen zu sein.
So entstand im Espenmoss ein interessanter Umschlagplatz. Wie im Bergbau bekannt, geschah der Abtransport des Aushubs mit starren Kastenwagen welche dann am Verladeplatz in einer stationären Kippvorrichtung umgedreht und auf ein Förderband ausgeleert wurden. Die Lokomotiven fuhren die Züge aus dem Tunnel, die Zuführung der Wagen in die Kippvorrichtung geschah danach mit einer Seilwinde. Dazwischen musste auch der in einem Silo vorbereitete Beton für die Tunnel-Spritzverkleidung mit speziellen Wagen in den Tunnel gefahren werden. Diese eher noch traditionelle Tunnelbauweise mit lebhaftem Bahnbetrieb weckte damals auch das Interesse meines Kollegen Heinz Bircher welcher da am 31.8.1988 einen Besuch abstattete.
Wie berichtet wurde er nicht nur sehr freundlich empfangen und bekam alles gezeigt, auch konnte er sich mit seiner Kamera da auf dem Verladeplatz zwischen den Bauzügen, Silos, Winden und Geleisen auch noch frei bewegen. Einfach Eigenverantwortung eben.
Ausserhalb des Tunnels waren damals ja auch Helme und Leuchtwesten noch unbekannt. Vergangene Zeiten. Auch wenn alles, wie für eine Baubahn üblich nur für wenige Jahre von temporärer Dauer war, ist es doch ein spannendes Zeitdokument welches vielleicht dem ein oder anderen hier auch Freude macht. 

 

 

Originalbild anzeigen Grafik BEB

 

 


 



 
Originalbild anzeigen Foto: Heinz Bircher / 31.8.1988


St.Gallen-Fiden, Espenmoos
Abstellanlage mit Zementsilo im Hintergrund.
links: Locher Lok ETB-70,  rechts: Prader Lok ETB-70 

 

 

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St.Gallen-Fiden, Espenmoos
Akku Lok von Baufirma Locher mit Akku von Baufirma Prader. 
Typ ETB-70 SIG (Schweizerische Industrie-Gesellschaft), Breite 1250mm, Länge 4020mm, Gewicht: 10t, Batterie 120V, Spurweite 75cm (Räder verstellbar für 600-750mm Spurweite)  

 

 

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St.Gallen-Fiden, Espenmoos 
Akku von Baufirma Prader. (Prader ist heute Teil der Zindel Gruppe) 
Typ ETB-70 SIG (Schweizerische Industrie-Gesellschaft), Breite 1250mm, Länge 4020mm, Gewicht: 10t, Batterie 120V, Spurweite 75cm (Räder verstellbar für 600-750mm Spurweite)   

 

 

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St.Gallen-Fiden, Espenmoos 
Servicecontainer und Ladestation für Akkus. (Batterie 120V/900Ah5)

 

 

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St.Gallen-Fiden, Espenmoos
Starre Kastenwagen von Prader. Diese Wagen mussten wie bei den im Bergbau üblichen, ebenfalls starren "Hunte" in einer externen Kippvorrichtung entleert werden. 

 

 

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St.Gallen-Fiden, Espenmoos
Zug mit starren Kastenwagen von Prader. 

 

 

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St.Gallen-Fiden, Espenmoos
Üblicherweise besassen Baubahnen auch Wagen zum internen Personentransport. Dieser offene Personenwagen mit Längsbänken lehnt sich noch stark an Konstruktionen wie bei Feldbahnen üblich an. Das Chassis könnte ein ehemaliges Drehgestell gewesen sein.

 

 

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St.Gallen-Fiden, Espenmoos 
Zementwagen für Spritzbeton

 

 

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St.Gallen-Fiden, Espenmoos
Verladebahnhof. Nach rechts die Geleise zum Tunnel, geradeaus zur Kippvorrichtung mit anschliessendem Förderband zum Abtransport des Aushubs.  

 

 



 
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St.Gallen-Fiden, Espenmoos
Die Akku-Lok hat den Abraumzug aus dem Tunnel gebracht und an die Seilwinde von der Kippvorrichtung übergeben. Das Zugseil ist bereits am letzten Wagen befestigt. (Links vom Zug)  

 

 

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St.Gallen-Fiden, Espenmoos 
Die Wagen werden mit der Seilwinde zur Kippvorrichtung vorgezogen. Der ganze Zug kann so von einem Mitarbeiter alleine entleert werden. Im Hintergrund ein durchfahrender SBB Zug der Strecke St.Gallen-Rorschach. 

 

 

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St.Gallen-Fiden, Espenmoos
Der Mitarbeiter bringt mit der Seilwinde den zu entleerenden, entkuppelten Wagen in Position. 

 

 

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St.Gallen-Fiden, Espenmoos 
Der letzte Kastenkipper vom Zug auf der externen Kippvorrichtung.

 

 

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St.Gallen-Fiden, Espenmoos
Die Kippvorrichtung greift hydraulisch den ganzen starren Wagen und entleert ihn auf das Förderband. 

 

 

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St.Gallen-Fiden, Espenmoos
Die leeren Wagen werden von Hand in die Abstellanlage zurück gestossen und an die da wartende Lok gekuppelt. 

 

 

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St.Gallen-Fiden, Espenmoos 
Leerer Abraumzug, bereit zur Einfahrt (rückwärts) in den Steinachstollen.

 

 

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St.Gallen-Fiden, Espenmoos
Zur Beladung der Kastenwagen wird der Zug in den Tunnel (Steinachstollen) gestossen.

 

 

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St.Gallen-Fiden, Espenmoos 
Die beiden Abraumzüge mit Akku Loks SIG ETB-70 von Locher (links) und Prader (rechts) in der Abstellanlage.

 

 


 

 

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