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Der Steinbruch Guber in Alpnach-Dorf an der schmalspurigen SBB Brüniglinie war der letzte Ort in der Schweiz wo Pflastersteine in traditioneller Art von Steinmetzen hergestellt wurden. Obwohl beste Qualität kam das Aus der 1904 gegründeten Firma im Jahre 1986, vor allem eine Folge fernöstlicher Konkurrenz (Vietnam) als die Transportkosten um die halbe Welt ihren Sinkflug ins Bedeutungslose begannen. Das Ende der Firma kam überraschend schnell, wurde doch noch 1983 eine fabrikneue Jenbacher Diesellok beschafft.
Neben dem selten gewordenen Handwerk des Steinmetzes waren aber auch die da eingesetzten Transportmittel absolut bemerkenswert und damals schon ein Relikt aus vergangener Zeit. Ein technisches Freilichtmuseum, dessen Wert aber in der Schweiz nicht erkannt wurde. Zu der Zeit begann man ja erstmals ein paar alte Bauernhäuser ins neu gegründete Freilichtmuseum auf den Ballenberg zu versetzen, dass Technik auch ein Teil, wohl sogar der bedeutendere Anteil an der Entwicklung unserer Gesellschaft beisteuerte, ist ja bis heute vielerorts unbekannt. So kam es eben wie es kommen musste, nach der Schliessung wurden erstmal alle Transportanlagen wie die Feldbahn, die Standseilbahn und die Lorenseilbahn ins Tal abgebrochen. 
Die Feldbahn in der Spurweite 50cm bewegte sich auf 4 separaten Terrassen welche mit einer internen Standseilbahn für die Feldbahnfahrzeuge verbunden waren. Terrasse IV war die Unterste und zugleich die Bergstation der 3.7km langen Lorenseilbahn ins Tal zum SBB Bahnhof von Alpnach-Dorf. Die Behälter der Seilbahnloren konnten direkt auf die Untergestelle der Feldbahn übergehen. Neben diesen seilbahntauglichen Feldbahnloren gab es aber auch noch traditionelle Kipploren für den Abtransport von Steinresten auf die Halde.
Neben dem Handverschub kamen aber auch drei Dieselloks zum Einsatz (Jenbach Ponys). Die Lorenseilbahn besass als Besonderheit einen Knick in der Fahrbahn. An diesem überdachten Gerüst endeten die Tragseile der beiden im Winkel zueinander stehenden Sektionen und wurden mit Gewichten abgespannt. Die Seilbahnloren wurden vom Zugseil über eine gebogene Schiene geführt bevor sie wieder auf das Tragseil der nächsten Sektion gelangten.
Die Standseilbahn welche die 4 Abbauterrassen verband war als Windenbahn konzipiert. Der Antrieb war auf der obersten Terrasse I in einem hübschen Häuschen untergebracht. Zuletzt gab es noch Betrieb auf der Terrasse III mit Verbindung zur Bergstation auf die unterste Terrasse IV mit der Seilbahn- Bergstation. 
Da es aber noch einen Markt für hochwertige Pflastersteine gibt, wurde 1988 eine neue Firma gegründet, die bis zum heutigen Tag da wieder mit moderner Technik Pflastersteine herstellt. Alle Transportaufgaben werden mit Strassenfahrzeugen abgewickelt, auch der Transport ins Tal.

Heinz Bircher hat den Steinbruch am 22.5.1986 besucht. Ob die Leute da schon wussten, dass es ihren Arbeitsplatz in ein paar Monaten nicht mehr gibt? 
Wie geschildert, konnte er ganz ohne Probleme das grosse, nicht eingezäunte Betriebsgelände besuchen und wurde sogar noch sehr freundlich unterstützt, wenn es darum ging etwas ins rechte Licht zu rücken.
Es war aber sicher auch das Ende einer Zeit wo man nicht ganz ungefährliche betriebliche Einrichtungen einfach so sehen konnte wie z.B. offen verlaufende Zugseile, Wände ohne Geländer und vieles mehr. Gefragt war Eigenverantwortung - auch für den Besucher.
So wie ich meinen Kollegen kenne, waren die Bilder aber auch eine Antwort auf seine freundliche nie aufdringliche Art, dem Gegenüber stets wertschätzend und hilfsbereit auftretend. So berichtete er mir auch, dass nach dem Abstieg nach Alpnach die Seilbahn schon abgeschaltet worden war. Der da noch anwesende Mitarbeiter sorgte aber kurzerhand dafür, dass die Bahn von oben her nochmals eingeschaltet wurde. Die Leute im Steinbruch, welche da auch wohnten, kannten ja meinen Kollegen vom Tag her, so war das kein Problem. Die Seilbahnloren auf den Bildern der Talstation in Alpnach-Dorf waren also sozusagen "Sonderfahrten" speziell für den Fotografen. 

 

 

Originalbild anzeigen Grafik: BEB

 

 


 

 

Originalbild anzeigen Foto: Heinz Bircher / 22.5.1986


Steinbruch Guber, Terrasse III
Die leeren Mulden der Seilbahnloren wurden in der Bergstation auf 50cm Spur Feldbahnfahrwerke gesetzt und mit dem Schrägaufzug (Windenbahn) von der Terrasse lV zur Beladung auf Terrasse III hoch befördert. Typisch für solche Wechselmulden sind die stirnseitigen Aufhängezapfen für den Seilbahnbetrieb. Die Mulde rechts trägt die Nummer 5(II)  als Zweitbesetzung oder ev. als ehemalige Terrassenzuordnung?

 

 

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Steinbruch Guber, Terrasse III
Nach der Beförderung mit dem Schrägaufzug (Standseilbahn) werden die leeren Wagen zu Zügen formiert und mit den Jenbacher Loks (Ponys) zu den Arbeitsplätzen gefahren. 

 

 

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Steinbruch Guber, Terrasse III
Diesellok JW8 Jenbacher Werke (Pony) Fabr.-Nr.238, 8 PS, 1.2t, Bj.1954, Spurweite 500mm

 

 

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Steinbruch Guber, Terrasse III
Eine Kreuzungsweiche erlaubt von beiden Gleisen eine Verteilung der Loren auf die nebeneinander liegenden Gleisstücke auf dem Schrägaufzug. Vor dem Lokdepot ist die kleinere Jenbacher JW8 (8PS) zu erkennen.

 

 

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Steinbruch Guber, Terrasse III
Mit dem 1926 erbauten Schrägaufzug (Standseilbahn) können die Feldbahnfahrzeuge unter den 4 unabhängigen Terrassen verschoben werden. Anlieferung leerer Loren von der Seilbahn Bergstation auf Terrasse IV zur Beladung mit Pflastersteinen auf Terrasse III.

 

 

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Steinbruch Guber, Terrasse III
Nachdem der Wagen des Schrägaufzuges (Windenbahn) verriegelt ist, werden die Loren von Hand zu Zügen zusammengestellt. An der Jenbacher JW8 vor dem Lokschuppen werden gerade noch kleinere Reparaturen ausgeführt. 

 

 

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Steinbruch Guber, Terrasse III
Die beladenen Loren auf ihrem Weg zur Seilbahn-Bergstation auf der untersten Terrasse IV.

 

 

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Steinbruch Guber, Terrasse IV
Seilbahn-Bergstation. Die beladenen Mulden auf den unabhängigen Feldbahn-Fahrwerken werden zur Übernahme an die Seilbahn-Aufhängungen in Position gefahren.

 

 

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Steinbruch Guber, Terrasse IV
Die klassische Feldbahn-Methode ungebremste Wagen zu bremsen ist mit einem Holzstab zwischen die beiden Räder zu greifen und so eine dosierte Reibung zu erzeugen.

 

 

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Steinbruch Guber, Terrasse III
Diesellok JW10a Jenbacher Werke (Pony) Fabr.-Nr.539, 10 PS, 1.2t, Bj.1983, Spurweite 500mm
(Gemäss IR&L hat es noch eine weitere, ursprünglich nach Italien gelieferte JW10a Bj.1957 Fabr.-Nr.319 bei Guber gegeben). Das Bild entstand bei laufendem Motor mit rotierender Schwungmasse, so wurde auch gefahren. Damals war noch logisch, dass man da besser nicht die Finger hineinhalten sollte.

 

 

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Steinbruch Guber, Terrasse III
Diesellok JW10a Jenbacher Werke (Pony) Fabr.-Nr.539, 10 PS, 1.2t, Bj.1983, Spurweite 500mm
(Gemäss IR&L hat es noch eine weitere, ursprünglich nach Italien gelieferte JW10a Bj.1957 Fabr.-Nr.319 bei Guber gegeben) 

 

 

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Steinbruch Guber, Terrasse IV
Seilbahn Bergstation mit interessanter Gleisanlage. Die Seilbahn wurde 1926 eröffnet und nach der überraschenden Schliessung Ende 1986 im Jahre 1988 abgebrochen und verschrottet. (Zusammen mit dem Schrägaufzug und dem Feldbahnmaterial)   

 

 

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Steinbruch Guber, Terrasse III
Die Arbeitshütten der Steinmetze waren wie ein kleines Dorf aufgebaut und wurden mit der Feldbahn verbunden. Das Gegengewicht am Weichenstellhebel ist für Feldbahnen nicht unüblich aus einem alten Feldbahnrad entstanden. Jenbacher Lok JW10a (10PS) Bj.1983.

 

 

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Steinbruch Guber, Terrasse III
Arbeits- und Lagerplatz der Steinmetze. Im Hintergrund das Stanserhorn.

 

 

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Steinbruch Guber, Blick auf Terrasse III
Der Schrägaufzug besass nur einen Wagen und war als Windenbahn ohne Ausweichstelle konzipiert. 

 

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Steinbruch Guber, Talfahrt zur Terrasse IV
Die beladenen, ungebremsten Loren auf ihrer Fahrt mit der Standseilbahn zur Seilbahn-Bergstation. 

 

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Steinbruch Guber, Terrasse I
Auch wenn leider etwas unscharf ein interessantes Bild der hübschen Antriebsstation für die Standseilbahn/Schrägaufzug auf der obersten Terrasse I. Das Zugseil läuft offen, unten seitlich aus dem Gebäude raus. Gerade knapp nicht mehr sichtbar wird das Zugseil 90Grad in das Gleistrassee der Standseilbahn umgelenkt. 

 

 

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Steinbruch Guber
Blick von der Antriebsstation der Standseilbahn auf Terrasse I zur bereits abgeräumten  Terrasse II  mit den darunter liegenden noch aktiven Terrassen III und IV. Im Hintergrund der Blick auf Alpnach-Dorf und den Alpnachersee als verbundener Seitenarm des Vierwaldstättersees.

 

 

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Steinbruch Guber, Terrasse III
Einfache und nur temporär gestaltete Arbeitsplätze für Steinmetze.

 

 

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Steinbruch Guber, Terrasse III
Traditionelle Feldbahn-Kipploren (nicht seilbahngänig) für den Transport von Abraum oder der Direktverladung vor Ort.

 

 

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Steinbruch Guber, Terrasse IV
Bergstation der Seilbahn. Hier mutierten die Feldbahn-Schienenfahrzeuge zu Seilbahnloren. Mulden und Seilbahnwagen waren nummeriert, jedoch nicht die Feldbahn-Fahrwerke. Das nach unten geneigte Übergabegleis sorgte für ein selbstständiges Lösen des Feldbahnrahmens von der eingehängten Mulde.

 

 

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Alpnach - Grund
Umlenkgerüst für die Lorenseilbahn mit Abspanngewichten für die Tragseile. Das Zugseil verlief durchgehend. Industriekultur vom Feinsten. 

 

 

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Alpnach - Grund 
Umlenkgerüst für die Lorenseilbahn mit Abspanngewichten für die Tragseile. Das Zugseil verlief durchgehend. Diese geknickte Streckenführung der Seilbahn war nötig um Alpnach-Dorf zu umfahren. Mit Lorenseilbahnen wurden aus Sicherheitsgründen (ohne zusätzliche Schutzbauten) üblicherweise keine Gebäude oder belebtes Gebiet überspannt. Spezielle Beachtung den abenteuerlichen Holzleitern hinter dem Bauwerk für den Aufstieg zu den Seilen und Rollen. Ebenso beachtenswert die Schutzverschalung der 45 schräg ins Gebäude führenden Stützen zur Übernahme der grossen Auflagerkräfte.

 

 

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Talstation Alpnach-Dorf, SBB Bahnhof (Brüniglinie) 
Umladestelle der Pflastersteine auf Lastwagen oder Güterwagen der Brünigbahn. Speziell für den Fotografen wurde die nach Feierabend bereits abgestellte Seilbahn nochmals kurz in Betrieb gesetzt. Was für eine nette Geste der damaligen Mitarbeiter.

 

 

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Talstation Alpnach-Dorf, SBB Bahnhof (Brüniglinie) 
Umladestelle der Pflastersteine auf Lastwagen oder Güterwagen der Brünigbahn. Heute ist das ganze Areal mit Wohnhäusern überbaut und von der einstigen industriellen Geschäftigkeit nichts mehr zu sehen.

 

 


 

 

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