Die "Billerbahn" in Spurweite Oe war ein Produkt der Spiel- und Blechwarenfabrik Biller aus Nürnberg und wurde 1950 erstmals an der Spielwarenmesse in Nürnberg präsentiert. Es war eine der letzten Modell- bzw. Spielzeugeisenbahnen in der für die Vorkriegszeit typischen Bauweise aus Blech. Die Billerbahn war in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich und hob sich in der beginnenden Wirtschaftswunderzeit stark von all den übrigen Modelleisenbahnherstellern ab. So war ihr Vorbild nicht die "grosse Eisenbahn" sondern schmalspurige Feldbahnen welche in der unmittelbaren Nachkriegszeit noch allgegenwärtig waren. Als robuste Spielbahn auch für den Einsatz im Sandkasten und am Strand konzipiert erfolgte der Antrieb ursprünglich nur mit einem patentierten und erstaunlich komplexen Uhrwerkantrieb. So konnte am für die Billerlokomotiven typischen Drehknopf neben Halt und Fahrt auch die Fahrrichtung voreingestellt und zusätzlich der Antrieb in Leerlauf geschaltet werden für das Spiel von Hand. Obwohl die Vorbilder durchaus zu erkennen waren lag das Schwergewicht nicht im detaillierten Modell sondern auf den Funktionen für das kreative Spiel. Trotzdem wurden feldbahntypische Besonderheiten erstaunlich gut nachgebildet, so waren Sturzgerüste oder selbst Auflegedrehscheiben (feldbahntypisch Frosch genannt) erhältlich. Auch die klassischen Kipploren konnten wie im Original auch in gekippter Stellung gehalten werden. Ursprünglich waren alle Fahrzeuge und die Schienen stets aus lithographiertem Blech, die Geleise dazu mit echten Holzschwellen versehen. 
Da die Geleise nicht für die Stromzufuhr wie bei den üblichen Modelleisenbahnen geeignet waren kamen ab Mitte der 50er Jahre auch elektrische Lokomotiven für eine Speisung ab Batteriewagen und später mit im Führerstand eingesetzten Batterien auf den Markt. Erst in den letzten Jahren des Bestehens, 1977 ging die Firma in Konkurs, wurde noch versucht mit Kunststofffertigung die Herstellkosten zu senken. Diese sichtbaren Billigprodukte beschleunigten aber wohl den Niedergang dieser besonderen und robusten Spielbahn erst recht.
Heute gibt es für die aussergewöhnliche Spielbahn aus Blech aus der Wirtschaftswunderzeit eine Sammlergemeinde was sich auch in den stetig steigenden Preisen an Börsen und Auktionen zeigt. Aber wie immer in solchen Märkten gibt es ab und zu auf ganz gewöhnlichen Flohmärkten doch noch das ein oder andere Stück zu einem moderaten Preis zu entdecken. Dazu braucht es einfach Geduld und Zeit, dafür ist danach die Freude über was Gefundenes umso grösser. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 30.8.2020


Auf der Basis des im Vordergrund patentierten Uhrwerks wurden eine Feldbahn-Diesellok (Vorbild Deutz) und eine Dampflok hergestellt. Die schwarze Dampflok besitzt einen Elektromotor für die Speisung ab Batteriewagen. Die Diesellok wurde in mehreren, heute sehr gesuchten Farbvarianten hergestellt. Die abgebildeten Fahrzeuge waren die am meisten verbreiteten Farbvarianten aus der Ursprungszeit der Billerbahn.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 30.8.2020


Obwohl nur ein Spielzeug ist daran auch Weltgeschichte zu erkennen. Bis zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 mussten Produkte aus der US-Zone (Nürnberg) auch als solche gekennzeichnet werden. Obwohl erst 1950 offiziell auf dem Markt begann die Herstellung mit der Lithographievorlage offenbar noch zur Zeit vor der Gründung der BRD. Auf neueren Modellen wie der Dampflok rechts mit Elektromotor und den Steckern zum Batteriewagen war dann damals "Western Germany" gebräuchlich. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 30.8.2020


Auch wenn nur eine Spielbahn hatten Geleise und Fahrzeuge unverkennbar ihr Vorbild bei Feldbahnen

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 30.8.2020


Natürlich gab es auch 4-achsige Wagen. Solche Wagen mit weit zum Ende versetzten Drehgestellen entsprachen aber sehr genau den Vorbildern auf Feldbahnspur. Nur so konnten sehr enge Kurven durchfahren werden. Im WKI setzten Armeen auch Feldbahnen zum Nachschub ein. Nach Kriegsende gelangten viele dieser Fahrzeuge in die zivile Nutzung. Manchenorts, z.B. im Einzugsgebiet von Zuckerfabriken gab es auch ausgedehnte Feldbahnnetze mit öffentlichem Verkehr.
(Sowohl der abgebildete Gepäck- wie auch Personenwagen ist ein sogenannter Batteriewagen zur Aufnahme von drei 1,5V Monozellen)

 

 


 

 

Die Billerbahn im Freien - Vorbild und Modell 

 

Originalbild anzeigen BEB / 28.3.2015


Zum letzten Mal die mittlerweile abgebrochene Zufahrtsrampe zum Stürzgerüst (Verladerampe) als Original zum Vergleich im Hintergrund. (Abbruch Oktober 2015)

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 28.3.2015


Grube Eriwis mit den ersten Frühlingsboten (Huflattich) 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 1.2.2020


Tunnelbaustelle Bözenegg 

 

   

Originalbild anzeigen BEB / 1.2.2020


Tunnelbaustelle Bözenegg mit SBB Cargo Zug Richtung Gotthard 

 

 


 

 

Eine kleine Spielanlage auf der Basis von der aus Tiefziehkunststoff hergestellten Billerbahnanlage 2000. Dieses Layout wurde ab 1972 bis zum Konkurs 1977 produziert. Die beiden Grundplatten (incl. Geleise) aus Tiefziehkunststoff werden mit 2 Brücken mit integrierten Weichen miteinander verbunden. Die beiden Prellböcke an den vorderen Abstellgleisen wurden demontierbar hergestellt um das Layout mit Geleisen ausserhalb zu verbinden.
Der Hintergrund sowie alle Gebäude, Bäumchen und Fahrzeuge sind unabhängig davon ergänzt worden.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 29.8.2020

 

    

Originalbild anzeigen BEB / 29.8.2020

 

    

Originalbild anzeigen BEB / 29.8.2020

 

 


 

 

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