Für den Streckenunterhalt und Wartungsarbeiten sind einfach von Hand aufs Geleise aufsetzbare Rollwagen universelle und sehr praktische Arbeitshilfen. Genau für solche Zwecke bestand auch bei der BEB Bedarf eines solchen Rollwagens, welcher dazu im Depot platzsparend beiseite gestellt werden kann. Als Basis für die Konstruktion dienten 4 altbrauchbare verzinkte Stahlräder wie sie früher oft für Geräte der Energieversorgung (Schalter/Wandler etc.) in Unterwerken zum Einsatz kamen. Damit konnten diese Geräte auf kurzen Gleisstücken noch präzise an die endgültige Position in Linie mit der Hochspannungsleitung verschoben werden. 
Die für ihren ursprünglichen Zweck nur auf Wellenstummeln aufgesteckten Räder, Zink besitzt eine geringe Schmierwirkung als Gleitlager, wurden die Räder ausgedreht und mit je zwei Kugellagern versehen. Der etwa 40kg schwere Rollwagen ist für Lasten bis ca. 250kg ausgelegt. 
Der 2009 in Betrieb genommene als Hilfsfahrzeug X 32 bezeichnete Wagen bewährte sich soweit recht gut, allerdings war der kleine Schutzrand um die Auflagefläche bei den praktischen Anwendungen eher hinderlich waren die transportierten Gegenstände doch meist grösser als der Rollwagen selbst. 
Als 2012 noch ein Schneepflug realisiert werden sollte, wurde dazu der Hilfswagen auch für diesen Einsatzbereich mit den bestehenden Rädern als X 32 II neu gebaut. Der Neubau konnte ich wiederum während meinen Ferien in der Versuchswerkstatt meines Arbeitgebers erledigen. Es war die letzte Möglichkeit dazu, wurde doch nach dem Verkauf der Firma an einen amerikanischen Grosskonzern umgehend jede private Nutzung von Maschinen "aus Haftungsgründen" untersagt. Sowohl breit ausgebildete Berufsleute wie in Europa üblich, als auch obligatorische Nichtbetriebs-Unfallversicherungen sind in Amerika unbekannt und so gab es keine Ausnahme für den neu dazugekommenen schweizerischen Ableger, jeder logischen Argumentation zum Trotz. 
Der nun auch als Schneepflug mit einem Bürstenpaar umzurüstende Wagen X 32 II konnte sich zufällig noch im selben Jahr bei einem fürs Mittelland aussergewöhnlich langen Schneefall bewähren. Durch seine ungefederten, starr mit dem Rahmen verbundenen Räder konnte das mit einer auswechselbaren Kratzleiste ausgestattete Pflugschild nur 2mm über der Schienenoberkante befestigt werden, ohne Gefahr zu laufen, dass das Pflugschild bei einem Schienenstoss einhängt. Die unter der Pflugunterkante durchkommende Schneeschicht wird danach noch von den Bürsten beseitigt bevor sie unter den Lokrädern zu Eis verdichtet würde. Bei der nur langsam fahrenden Lokomotive werden selbst geringe Schneemengen unter den Rädern zu dünnen Schichten aus Eis verdichtet, welche dann wiederum zum Durchdrehen der Räder führen. So waren Bürsten auch bei frühen Dampflokomotiven durchaus noch eine übliche Einrichtung. 
Beim Überfahren der Lücke im Weichenherz ist bedingt durch die kleinen und schmalen Räder generell etwas Vorsicht geboten. Dazu gibt es auch den Hinweis am Innern des Pflugschilds. Falls der gestossene Pflugwagen wider erwarten auf ein festes Hindernis stossen würde, könnte die ausgeprägt z-förmig ausgebildete Kupplung durch Verformung grösseren Schaden abwenden.   

 

 

Rollwagen X 32 I

 

Originalbild anzeigen BEB / 25.1.2009


Der als universeller Helfer für Werkzeugtransport u.ä. bei Unterhaltsarbeiten konzipierte Rollwagen X 32. Der einfache Rollwagen ist nur für den Verschub von Hand vorgesehen und kann überall von Hand aufs Gleis gesetzt oder davon weggenommen werden (ca. 30kg). Daher besitzt der Wagen als einziges BEB Fahrzeug auch keine Bremsen. Damit kleinere Teile nicht vom Wagen rutschen ist die Auflagefläche mit einem überstehenden Rand eingefasst. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 8.3.2009


Schon bald wurde der mit seinen leichtgängigen, rollengelagerten Rädern für eine Traglast von ca. 250kg ausgelegte Rollwagen auch für den Transport grösserer Teile genutzt. Die fast ebenerdige Transportplattform erwies sich oft als überaus praktisch, so auch beim Transport von Schwellen. Hier wurde gerade eine entdeckte leichte Spurverengung (-1mm) am Geleise beseitigt und die Stelle mit neu verbohrten Schwellen bestückt. Die kleinen Räder haben von ihrem ursprünglichen Einsatzzweck herrührend ungewöhnlicherweise zylindrische Laufflächen und gerade Spurkranzflanken ohne Ausrundung. So kann mit dem Wagen mit seinen seitlich auf exakt 600mm Spurweite fixierten Rädern auch die Spurweite am Gleis periodisch sehr einfach und effizient kontrolliert werden. Spurerweiterungen in Kurven bis 18mm sind tolerierbar, Spurverengungen jedoch nirgends. (+18mm/-0mm).  

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 23.5.2011


Durch die langjährige Verschüttung des Gleises mit Opalinuston beim nach der Stilllegung der ZZ-Grubenbahn ins Rutschen geratene Tondepot Eriwis wurden die Fahrflächen der Schienen stark korrosiv angegriffen. Dies führte auf einer Länge von ca. 15m zu einem sehr unruhigen Lauf der Fahrzeuge mit entsprechender Geräuschentwicklung. Da noch ein paar gut erhaltene Reserveschienen zur Verfügung standen, wurden die Schienen da ausgewechselt. Für den Rücktransport der alten Schienen ins Lager beim Depot kam zusätzlich ein sehr ähnlicher Rollwagen der Schinznacher Baumschulbahn zu Hilfe. Die alten Schienen werden später noch für Fundamente der Masten für die Freileitung verwendet. Mittlerweile hat der Rollwagen auch längs- und quer steckbare Griffstangen erhalten.  

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 29.10.2011


Die Auflagefläche des Rollwagens erlaubt auch die Aufnahme einer Standard-Schubkarre. Wiedereinmal ist das Tondepot nach einer längeren Regenperiode in Bewegung geraten und hat das Geleise verschüttet. Der schwere Opalinuston liess sich dabei von einer aus Schalungsbrettern erstellten Spundwand nicht beeindrucken. So gut es geht wird der klebrige und sehr schwere Ton manuell vom Gleis beseitigt. Eine Entschärfung für diese Stelle gab es erst als das Tondepot für den Bau eines Weges zur Grube vom Verein "Naturwerkstatt Eriwis" mit schwerem Baugerät (Raupenlader und Bagger) nachhaltig umgeschichtet wurde. 

 

 


 

 

Rollwagen/Schneepflugwagen X 32 II

 

Originalbild anzeigen BEB / 2012


Es hat sich gezeigt, dass schon geringe Schneeschichten auf den Schienen von den nur langsam drehenden Lokrädern zu dünnen Eisschichten verdichtet werden können. Dies führt zum Ausfall der Adhäsion und zum Durchdrehen der Räder. So entstand auch der Bedarf nach einem Schneepflug. Ideal für einen gestossenen Schneepflug ist dabei ein ungefedertes Fahrzeug damit das nur knapp über der Schienenoberfläche befestigte Pflugschild (2mm) bei Schienenstössen oder sonstigen Unebenheiten nicht Gefahr läuft einzuhängen.
Bedingt durch den knapp bemessenen Stellplatz im Depot reifte die Idee, den bisherigen Rollwagen als Universalfahrzeug mit der Möglichkeit auch eines Einsatzes als Schneepflug neu zu bauen. Die Planung und Herstellung konnte zum letzten Mal in der Freizeit bei meinem Arbeitgeber erfolgen (siehe Eingangstext).
Durch die etwas erhöht, nun randlose Auflagefläche hat sich das Gewicht als Rollwagen auf knapp 40kg erhöht, ist aber noch stets gut von Hand aufs Gleis aufsetzbar. Ansonsten hat sich am bewährten Prinzip des Rollwagens nichts Wesentliches verändert, so konnten auch die Räder übernommen werden. Um die dünne unter dem Pflugschild durchrutschende Schneeschicht vor den Lokrädern noch zu beseitigen, können zusätzlich noch zwei Bürstenpaare am Rollwagen befestigt werden. Bürsten wurden einst auch bei langsamen, frühzeitlichen Dampflokomotiven als durchaus probates Mittel zur Schienenräumung eingesetzt.  

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 17.9.2012


Der im Rohbau fertiggestellte, neue Rollwagen X 32 II.  

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 17.9.2012


Der Rahmen des Rollwagens mit eingestecktem Pflug. In der Mitte die separat am Pflugschild zu montierenden Kratzleisten und die z-förmige, im Notfall verformbare Kupplung zur Lokomotive.   

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 6.10.2012


Die neue Rollplattform X 32 II in ihrer Grundausführung. Die Auflagefläche ist im Hinblick auf die zusätzliche Funktion als Schneepflug gegenüber der ersten Ausführung etwas erhöht und besitzt keinen überstehenden Rand mehr. Der umlaufende Rand war beim Transport von meist etwas grösserem Ladegut eher hinderlich, dazu weist die raue Oberfläche der robusten  "Siebdruckplatten" bereits eine gewisse Antirutscheigenschaft auf. Bei Bedarf lässt sich Ladegut zusätzlich auch an den Haltegriffen festzurren.   

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 6.10.2012


Die Griffstangen können wiederum in Längs- und Querrichtung eingesteckt werden. Die  mittleren Ösen sind für die Einlage eines Spanngurtes um längs eingelegte Äste vor der Entnahme zu einem leicht transportierbaren Bund zu verschnüren. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 6.10.2012


Mit den Griffstangen in Querrichtung lässt sich der mit Werkzeugen beladene Rollwagen einfacher verschieben. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 6.10.2012


Probefahrt mit dem zum Schneepflug mit Schienenbürsten umgerüsteten Rollwagen. In dieser Funktion wird er über eine z-förmige, notfalls verformbare Kupplung von der Lokomotive (in Schrittgeschwindigkeit) gestossen. Dank den ungefederten starren Achsen, lässt sich das Pflugschild sehr knapp über der Schienenlauffläche einstellen, ohne Gefahr zu laufen an einem Schienenstoss hängenzubleiben. Die zu Gewichten umfunktionierten Schienenstücke geben dem Wagen das nötige Gewicht, um nicht vom Schnee angehoben zu werden. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 6.10.2012


Blick in Fahrtrichtung. Die am Pflug angeschweissten zwei Rohre werden von vorne in die Befestigungshalter des Rollwagens eingesteckt und hinten mit Bolzen gesichert. Die Warnung bezieht sich auf das Befahren der Herzstücke der Weichen. Da die kleinen Räder an der Stelle ihre Führung verlieren könnten, ist da jeweils besondere Aufmerksamkeit angebracht. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 6.10.2012


Der Bereich des Bahnübergangs mit den zwischen den Schienen eingelegten Betonplatten wurde noch speziell überprüft. Auch da war aber alles in bester Ordnung und es wurden keine Stelle gefunden, wo der Pflug anstossen oder einhängen könnte. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 7.12.2012


Noch im selben Jahr nur zwei Monate später wurde der Schneepflug erstmalig bei einer vorerst noch dünnen ca. 5cm hohen Schneeschicht eingesetzt. Dabei bewährte sich der Wagen einwandfrei und die Bürsten sorgten zusätzlich für vollständig schneefreie Laufflächen auf den Schienen. So konnte die Lokomotive bei guten Traktionsverhältnissen ohne Einsatz von Sand durch die weisse Landschaft fahren. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 8.12.2012


Da es fürs Schweizer Mittelland ungewöhnlich intensiv geschneit hatte, kam die "Hauptprobe" für den Schneepflug schon im Laufe des nächsten Tages. Auch bei ca. 20cm Schneehöhe, dem vorgesehenen Maximum, funktionierte der Schneepflug noch gut und sorgte auch da unmittelbar vor der Lok immer noch für schneefreie Schienen.

 

 



 
Originalbild anzeigen BEB / 8.12.2012


Auch wenn das Pflugschild zwischendurch im Schnee verschwunden war, zeigen die blanken Schienen hinter der Lok, dass der Pflug seine Aufgabe gut erfüllt hat. Bei diesen Schneehöhen profiliert aber auch die Lok selbst mit dem Chassis seitlich noch etwas das freigeräumte Gleisprofil.  

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 8.12.2012


Ein seitlicher Blick auf den Dienstzug mit dem gestossenen Schneepflug. An den Rädern der Lok haftet nur seitlich etwas Schnee, die für die Traktion wichtigen Rad-Laufflächen sind jedoch schneefrei. Zur Sicherheit sind die Bremsklötze aber bei solchen Fahrten durch leichtes Bremsen direkt am Rad angelegt damit sich dazwischen keine Eisschicht bilden kann, welche das Bremsen erschweren würde.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 27.8.2014


Die bei der Schinznacher Baumschulbahn beheimatete und frisch revidierte Lok "Syringa" weilte für zwei Wochen zu Besuch auf der BEB. Die Lokomotive besitzt denselben 3-Zylinder Motor von Deutz wie in der BEB-Lokomotive verbaut. Dazu bekam die Lok Puffer nach den Plänen der BEB. So war es naheliegend auch mit dem Schneepflug und seiner speziellen Kupplung eine Probefahrt zur Grube Eriwis zu absolvieren.   

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 12.4.2015


Nur ein einziges Mal verkehrte der Rollwagen probehalber auf dem Viadukt zur Verladerampe. Die extreme Spurerweiterung (+30mm) an der engen Kurve zu Beginn des Viadukts war mit den kleinen schmalen Rädern nicht mehr zuverlässig befahrbar.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 12.4.2015


Der auch mit den BEB Wagen kuppelbare Rollwagen eignet sich Dank seiner tiefen Lage der Plattform durchaus auch für den Schwellentransport. Für den Ablad kann dabei auch der 360 Grad drehbare Kran des Wagens X 31 eingesetzt werden.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 16.5.2016


Die erste Betonschwelle der BEB wurde unmittelbar beim Depot eingebaut. Die Anlieferung der 86kg schweren Schwelle erfolgte direkt mit dem Rollwagen. Üblicherweise werden diese Schwellen heute aber mit dem Kranwagen ab Schwellenlager verladen und zum Einbauort gefahren.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 18.5.2019


Wieder ein klassisches Einsatzgebiet des Rollwagens war der Weitertransport der soeben angelieferten Masten für die Freileitung. 

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 7.3.2020


Für den Transport von Schotter in Kübeln oder Schubkarren sind die niedrigen Rollwagen ideal. Für eine Gleiskorrektur kam dazu unterstützend der ähnliche Rollwagen der Schinznacher Baumschulbahn (SchBB) gleich zusammen mit dem passenden "Triebfahrzeug" in Form eines 2-Richtungs-Schienenvelos zum Einsatz.

 

 

Originalbild anzeigen BEB / 14.1.2014


Nach einigen Jahren mit milden im Mittelland fast schneelosen Wintern konnte der Rollwagen X 32 II auch wieder einmal als Schneepflug zum Einsatz gelangen. Die Gleise vor dem Depot werden noch an diesem winterlichen Abend freigeräumt. 

 

 


 

 

zur Fotogalerie:  BEB X 32 (I+II) 

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